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Die Büffeljagt
Die Bezeichnung Büffel ist im deutschen Sprachgebrauch am verbreitetsten und wird auch in dieser Homepage vorwiegend verwendet. Tatsächlich ist sie aber falsch. Korrekt wird diese Rindergattung als Bison bezeichnet. Der Plainsbison gehörte zu der Art, die am häufigsten in den Plains und den Prärien vorkam. Bevor der weiße Mann in das Land der Indianer  eindrang, gab es ca. Sechzigmillionen Tiere, die sich vorwiegend von Gras ernährten. Neben Bären, Hirsche, Antilope und verschiedenen kleineren Tieren gehörte der Bison zum bevorzugten Jagdziel der Indianer. Er lieferte mit seinem Fleisch nicht nur die Hauptnahrung, er versorgte sie auch mit allen lebensnotwendigen Artikel. So wurden aus seinem Fell Kleider, Zeltdecken und Kanus hergestellt, aus den Knochen Pfeilspitzen und Nähnadeln, aus seinem Schädel Teller und Näpfe, aus den Därmen Bogensehnen und Schnüre, aus seinen Zähnen Schneidewerkzeuge, aus seinen Schulterblättern Schaufeln, Hacken und Schaber, aus seinem Gehirn wurde Gerbmittel für die Lederherstellung produziert, sowie Verpackungsmaterial und Tabaksbeutel aus seiner Blase, und noch vieles mehr. Der Bison war für die Indianer überlebenswichtig, daher gehörte er zum Mittelpunkt ihrer Religion. Alle Stämme hielten vor jeder Jagd eine besonderer Zeremonie ab. Mit Büffeltänzen, die oftmals mehrere Tage und Nächte dauerten, sollten die Bisons herbeigelockt werden. Es gab auch Stämme, die mit einem besonderen Stein, dem Insikim, die Herde anlocken wollten. Auch Gesänge und rituelle Handlungen, dessen Bedeutung meistens nur die Medizinmänner kannten, sollten das Jagdglück vergrößern.

Als den Indianern das Pferd noch unbekannt war, jagten sie den Bison zu Fuß, indem sie sich mit Wolfspelzen getarnt an die Tiere heranschlichen, und sie plötzlich in Panik versetzten.  Anschließend trieben sie die Herde vor sich her, um sie schließlich über den Rand einer Klippe zu locken. Am Fuße der Klippe wurden die Tiere dann bereits von weiteren Jägern erwartet, die ihnen schließlich mit einer Lanze den Todesstoß versetzten. Gegen Ende des 17. Jahrhunderts änderte sich dank des Pferdes die Jagdmethode. Auf den für die Jagd besonders abgerichteten Pferden ritten zwei Reiterkolonnen auf die Herde zu und isolierten davon einen kleinen Teil. Dann näherten sich die Jäger im vollem Galopp einem einzelnen Bison und schossen ihm mit einen Pfeil ins Herz. Beide Jagdmethoden waren allerdings nicht ungefährlich. Bei einem Fehlschuss beispielsweise konnte ein angegriffener und manchmal auch verletzter Bison sehr gefährlich werden, so dass der Jäger zum Gejagten und manchmal auch zum Opfer wurde. Es gab eine Sommer- und eine Winterjagd. Während sich an der Sommerjagd der gesamte Stamm beteiligte, war die Winterjagd für einzelne kleine Gruppen freigegeben. In beiden Fällen gab es einen Jagdanführer, den sich alle unterordnen mussten, sogar die Häuptlinge.

Nach der Jagd war die Arbeit der Frauen gefragt. Ihre Aufgabe lag darin, die Bisons zu enthäuten und zu zerlegen, was wegen der vielen Mücken und Fliegen keine leichte Aufgabe war. Der Jäger, der das Tier erlegt hatte, bekam das Fell und einige anderer kostbaren Teile. Der Rest wurde dann unter dem Stamm aufgeteilt.

Anfangs töteten die Indianer nur soviel Tiere, wie sie brauchten. Als sie aber in den Besitz von Schusswaffen kamen, wurde auch ihre Jagdbeute von Jahr zu Jahr größer. Dennoch hielten sich die reichen Bestände in der Prärie, bis der weiße Mann Jagd auf die Tiere machte. Zwar nutzten die Weißen in den 20. Jahren des 19. Jahrhunderts noch das Fleisch und die Häute. Mit dem Rest wusste er aber nichts anzufangen.

Später wurde nur noch die schmackhafte Zunge verwertet, und als in den 60. Jahren der Büffelmord regelrecht organisiert wurde, um den Indianern die Lebensgrundlage zu nehmen, verrotteten Tausende Bisons nutzlos in der Prärie. Es gab sogar spezielle Büffelkanonen, um die Ausrottung zu intensivieren. Jäger wie Buffalo Bill, machten sich mit der Abschlachtung von Tausenden Bisons einen Namen. Zwischen 1868 und 1881 sollen ca. 30. Millionen Bisons erlegt worden sein.


Die Friedenspfeife
Die Friedenspfeife war ein zeremonielles Symbol und wurde hauptsächlich bei Friedensabschlüssen und zur Bekundung der Freundschaft geraucht. Daher ist der Name Friedenspfeife, den der weiße Mann geprägt hatte, auch am geläufigsten. Die Indianer bezeichneten sie aber als "heilige Pfeife" oder "Calumet". Geschäfts- und Vertragsabschlüsse, Verhandlungen und feierliche Anlässe waren ebenfalls Gründe, sie zu benutzten. Ursprünglich war das Calumet nur ein reich verzierter Holzstab, der bei diesen Anlässen verwendet wurde. Erst Ende des 18., Anfang des 19. Jahrhundert wurden aus den Holzstäben Friedenspfeifen.


Der Pfeifenkopf bestand aus einem roten Tonschiefer, der in Pipestone im Südwesten des heutigen Minnesota abgebaut wurde. Der Forscher und Indianermaler George Catlin suchte im Jahre 1836 diese, für die Indianer heilige Stätte auf, und gab hierüber eine ausführliche Beschreibung ab. Das Gestein wurde nach ihm "Catlinit" benannt. Es war ein leicht zu bearbeitenden Material, das erst einige Zeit nachdem es gebrochen wurde aushärtete.

Der "heilige Pfeifensteinbruch" wurde von vielen Indianerstämmen jahrhundertelang besucht. Aus Ehrfurcht vor dem großen Geist, der den Steinbruch bewachte, begruben die Indianer ihre Kriegskeulen in den Boden, sobald sie sich dem Ort näherten.

Das Pfeifenrohr wurde aus Weide oder Esche gefertigt, und war häufig mit roten oder weißen Federn, sowie Skalps oder Perlen verziert. Zum Rauchen wurde wildwachsender Tabak verwendet, der aber mit Sumachblätter, Bärentrauben und Rindenstücke vermischt wurde, da er pur zu bitter schmeckte. Das ganze Gemisch nannten die Indianer Kinnikinnik. Häufig gab es auch Pfeifen, die mit einem Tomahawk kombiniert waren, wobei der Pfeifenkopf gegenüber der Schneide angebracht war. Diese Tomahawkpfeife wurde aber ausschließlich als Pfeife benutzt

Zum Rauchen der Pfeife bei einem bestimmten Anlass gehörte ein kompliziertes Zeremoniell, das im allgemeinen Calumet-Zeremonie genannt, und bei fast allen Indianern Nordamerikas durchgeführt wurden. Jeder der in einem Kreis sitzenden Teilnehmer hob die Pfeife zuerst in die Höhe und senkte sie anschließend zu Boden. Dann setzte er sie an den Mund, und blies den Rauch in alle vier Himmelsrichtungen. Schließlich überreichte er die Pfeife seinem Nachbarn, wobei dieser die einzelnen Schritte wiederholte. Das ging so weiter, bis sich der Kreis schloss.


Die Heirat und Scheidung
Die Heirat bei den Indianern Nordamerikas war eine Notwendigkeit, bei der in erster Linie die familiären und verwandtschaftlichen Interessen im Vordergrund standen. Im günstigsten Fall konnte der Mann seiner Liebsten einen Heiratsantrag machen und bei ihrem Vater um ihre Hand anhalten. Dieser setzte dann den Kaufpreis fest, der meistens aus Pferde und Felle bestand. Die junge Frau war natürlich bestrebt, für einen möglichst hohen Preis gekauft zu werden. Dazu war es aber nötig noch Jungfrau zu sein. Denn eine Frau die nicht mehr unberührt war, hatte wenig Chancen noch einen Mann zu bekommen, der auch noch einen Preis für sie bezahlen wollte. Durch die Bezahlung konnte sich die Familie wirtschaftliche Vorteile verschaffen und ihr Ansehen in der Gesellschaft erhöhen. In vielen Fällen war es aber auch so, dass auf die Interessen beider Partner keine Rücksicht genommen wurde. Es kam auch vor, dass die Eheschließung von den Eltern arrangiert wurde, ohne das die jungen Leute etwas davon wussten.

Die Eheschließung konnte bei den Stämmen unterschiedlich lang sein. Bei einigen Stämmen dauerte die Zeremonie bis zu 40 Tage. Tanz und Flötenspiel gehörten ebenso zu den Feierlichkeiten, wie der Austausch von Geschenken. Letzteres war insbesondere bei den Plains- und Prärieindianer sehr umfangreich. Bei diesen Stämmen konnte ein Mann auch mehrere Frauen haben. Der Grund hierfür war, dass viele Männer bei der Jagd oder im Krieg ums Leben kamen. So gab es ein Frauenüberschuss. Allerdings konnte sich nur der mehrere Frauen leisten, der auch wohlhabend war. Um Eifersüchteleien zwischen den Frauen auszuschließen, heiratete der Mann häufig Schwestern. In den meisten Fällen hatte die erste Frau einen höheren Stellenwert als die anderen.

Als die Indianer in den Besitz von Pferden und Schusswaffen kamen, konnten sie auch mehr Büffel erlegen. Und hier lag der zweite Grund der "Vielweiberei". Viele Büffel bedeuteten viel Arbeit, und die konnte nur von vielen Frauen verrichten werden. So wurden die Frauen von den Büffeljägern ausgebeutet.

Eine indianische Ehe ging relativ selten in die Brüche, dennoch kam es vor. In den meisten Fällen ließ sich der Mann von der Frau scheiden. Gründe hierfür waren häufig Ehebruch, manchmal auch Nörgelei und Faulheit. Bei der Scheidung hatte der Mann mehr Rechte als die Frau. Er konnte sie bestrafen, indem er ihr z. B. die Zöpfe abschnitt. Bei den Comanchen und den Blackfoot kam es auch vor, dass der Frau die Nase abgeschnitten wurde, um sie zu entstellen. Bei Ehebruch musste der Mann die Geschenke seiner Schwiegereltern nicht zurückgeben, während er seine eigenen Geschenke zurückfordern konnte. Anders sah es aus, wenn er seine Frau nur zurückschickte, weil sie ihm nicht gefiel. Obwohl die Rechte der Frau bei der Scheidung beschränkt waren, kam es auch vor, dass sie die Initiative ergriff, indem sie die Habseligkeiten ihres Mannes vor das Tipi warf. Oder sie packte einfach ihre Sachen und ging zu ihren Eltern zurück, wobei sie die Kinder mitnahm. Eine Ehefrau, die zur Witwe wurde, konnte, wenn sie treu war, damit rechnen, schnell wieder verheiratet zu werden. Bei vielen Stämmen war es dann der Bruder des Verstorbenen. Wenn hingegen die Ehefrau verstarb, wurde deren Schwester zur neuen Frau des Mannes.


Die Kindererziehung
Die Indianer Nordamerikas waren liebevolle und geduldige Eltern, gleichgültig ob es sich bei ihrem Kind um ein Mädchen oder Jungen handelte. Dennoch war die Freude bei den Vätern besonders groß,  wenn die Mutter einen Sohn gebar, da dieser die Zahl der Krieger im Stamm vergrößerte. Kurz nach der Geburt erhielt das Neugeborene einen Namen, der sich entweder nach einem Ereignis richtete, das am Tag der Geburt stattfand, oder nach einem Tier, einer Pflanze, oder einer körperlichen Eigenschaft. Aber auch Heldentaten, die ein Verwandter vollbracht hatte, wurden für die Namensgebung benutzt. Im Laufe eines Indianerlebens wurde der Name ein- oder mehrmals gewechselt. Er sollte jeweils Auskunft über die Tapferkeit des Indianers und dessen persönlichen Fähigkeiten geben. So bekam beispielsweise der Kriegshäuptling Crazy House seinen Namen von seinem Vater, nachdem er seine erste Auseinandersetzung mit feindlichen Indianern mit Bravour bestanden hatte. Vorher hieß Crazy House "Curly", was soviel wie "Der Lockige" bedeutet, da er außergewöhnlich helles und lockiges Haar hatte.

Auch Sitting Bull soll seinen Namen nach einer Jagd auf einen Büffel erhalten haben. Als dieser mit seiner Lanze zustieß, sollen die Hinterbeine des Büffels eingeknickt sein, so dass es so aussah, als würde der Büffel sitzen. Ob diese Geschichte aber der Wahrheit entspricht, ist nicht gesichert. Die wechselnde Namensgebung galt allerdings nur für die Männer, die Frauen behielten in der Regel ihren ersten Namen.

Die ersten Lebensmonaten verbrachte das Kind auf einer Tragwiege, an der es festgeschnallt war. Diese Wiege konnte die Mutter entweder auf dem Rücken tragen, oder am Sattel einhaken. Ansonsten wurde sie nicht hingelegt, sondern aufrecht abgestellt, so dass das Kind jederzeit seine Umgebung erforschen konnte. Die Wiege bestand aus einem Brett, auf dem eine Ledermatratze angebracht  war, die mit weichem Material wie Daunen oder Moos gefüttert war. In  Kopfhöhe war oft ein Bügel angebracht, der den Kopf bei einem Sturz nach vorne schützten sollte. Indianische Kinder wurden hart erzogen, was aber nicht bedeutet, dass sie geschlagen wurden. Das war ehe selten der Fall. Bei Ungehorsam drohte man ihnen lieber mit einem bösen Kinderschreck, der sie holen würde. Im Krabbelalter lernten sie ihre Umgebung näher kennen, wobei sie auch viel lernten. So z. B. wie schmerzhaft es ist ins Feuer zu fassen. Denn Vater und Mutter hinderten ihre Kinder nicht daran. Diese sollten eigene Erfahrungen sammeln. Ein schreiendes Kind wurde einfach mit der Tragwiege ins Gebüsch abgestellt, und sich selbst überlassen. Es lernte schnell, dass Gejammer nicht viel nützte. Schreiende Kinder waren außerdem eine Gefahr, da sie Feinde auf dem Stamm aufmerksam machen konnten. Schon früh wurden die indianischen Jungen und Mädchen auf ihr zukünftiges Leben vorbereitet. Im Alter von 3 bis 4 Jahren eiferten sie ihren Eltern nach. Während die Mädchen mit Puppen spielten, wurden die Jungen schon mit Pfeil und Bogen bewaffnet, mit denen sie dann Kampfszenen und Jagdausflüge simulierten. Im reiferen Alten gingen die Mädchen der Mutter zur Hand. Sie lernten hierbei alles für die Hausarbeit und für ihre spätere Rolle als Hausfrau. Die Jungen hingegen begleiteten immer häufiger ihre Väter bei der Jagd. Sie lernten hier Spurenlesen, Reiten, Bogenschießen und Schwimmen. Sie sollten dabei schon möglichst frühzeitig abgehärtet werden.

Im Pubertätsalter lernten die Kinder den Ernst des Lebens kennen. Jungen und Mädchen durften fortan nicht miteinander Spielen. Die Jungen mußten ihre ersten Mutproben bei der Bisonjagd oder bei Raubzügen bestehen und ihre Geschicklichkeit unter Beweis stellen. Die Mädchen mußten nun in der nähe des Tipis bleiben, und durften nicht mehr unkontrolliert im Lager herumstreifen. Hausarbeit gehörte nun zu ihren Hauptpflichten.

Im heiratsfähigem Alter mußten die Kinder nun auf eigenen Füßen stehen. Der Junge war zum Krieger herangereift, das Mädchen zur Frau, die darauf hoffte, nun verheiratet zu werden, und eigene Kinder zu bekommen.


Die Pferde
Die Pferde in Nordamerika, später eines der wertvollsten Besitztümer eines jeden Stammes, wurden im 17. Jahrhundert von den Spaniern eingeführt.  Einige Tiere sollen z. B. bei den Expeditionen von Hernando Cortés im Jahre 1519, oder von Vasquez de Coronado im Jahre 1540 verloren gegangen sein. Später sollen sie sich dann in den Steppen von Arizona und Texas vermehrt haben. Aber auch die Pferdezucht der Spanier spielte eine wesentliche Rolle bei der Vermehrung und insbesondere bei der Verbreitung unter den Indianern. Auf den großen Ranches der Spanier arbeiteten nämlich junge Indianer, die schnell lernten mit Pferden umzugehen. Entweder stahlen sie dort die Pferde und verkauften sie dann selbst an ihr Volk, oder sie stellten sich als kundige Vermittler zwischen ihrem Volk und den Spaniern. Später unterhielten die Spanier selbst Handelsbeziehungen zu den Indianern. Der Pferdediebstahl war bei den Ureinwohnern eine Mutprobe, mit der sich ein junger Krieger hohes Ansehen und Respekt verschaffen konnte, während bei den Bleichgesichtern der Pferdediebstahl mit dem Tode bestraft wurde.

Die Apachen eigneten sich schon sehr früh große Pferdebestände an. Allerdings beherrschten sie nicht die Züchtung. So nutzten sie die Tiere vorwiegend als Schlachtvieh oder als Transportmittel, nicht aber für die Büffeljagd.

Erst die Comanchen nutzten die Möglichkeiten der Pferde im vollem Umfang aus. Es waren Ponys, die aus den entlaufenden Pferden der Spanier hervorgingen, und von den Comanchen eingefangen und später auch gezüchtet wurden.  So entwickelte sich aus dem einst einfachem Volk eine Reitervolk mit großer Macht. Im Laufe der Zeit gelangte das Pferd in den Norden. Im Gegensatz zu den Indianern im Süden besaßen die Indianer hier bereits Feuerwaffen. So entstand ein reger Handel, bei dem Pferde und Waffen getauscht wurden. Die Kombination zwischen Pferd und Feuerwaffe bescherte den Indianern bei der Büffeljagd eine wesentlich höhere Jagdausbeute. Hierzu waren allerdings besonders ausgebildete Jagdpferde erforderlich. Indianer, die die Züchtung solcher Tiere beherrschten, gelangten zu großem Reichtum. Denn Felle und Fleisch konnten nun wiederum gegen Pferde eingetauscht werden, und ein hoher Pferdebestand bekundete Wohlstand und eine hohe Stellung in der Gesellschaft.

Das Pferd brachte aber nicht nur bei der Jagd erhebliche Vorteile. Auch als Transportmittel war es unschlagbar. Während früher Hunde die Habseligkeiten transportiert haben, konnten nun Pferde mit der siebenfachen Arbeitsleistung benutzt werden. Auf sogenannten Travois, die die Pferde hinter sich herzogen, konnten wesentlich größere Zelte mitgenommen werden. Auch Alte und Kranke wurden nun mitgenommen, während man sie früher zurückließ.

Eine weitere Nutzung bestand darin, dass Pferd als Zahlungsmittel zu verwenden. Viele Väter, die ihre Töchter zur Heirat freigaben, verlangten eine große Anzahl von Pferden als Brautpreis. Durch den Handel und der Beweglichkeit kamen Indianerstämme in Kontakt, die sich vorher nie begegnet waren. So war das Pferd als Handelsmittel, Jagdhilfe, Transportmittel, im Krieg und bei Raubzügen unverzichtbar für den Indianer.


Die Indianerfrauen
Die Bezeichnung "Squaw" für die Frau bei den nordamerikanischen Indianern wurde von den weißen Einwanderern geprägt. Der Ursprung dieses Wortes stammt von einem Stamm  der Algonkin, der sich Narragansett nannte. Diese bezeichneten ihre Frauen als "Eskwaw". Die amerikanischen Ureinwohner selber, benutzten das Wort "Squaw" nie. Es erhielt mit der Zeit sogar eine negative Bedeutung und wurde für eine Frau zum Schimpfwort. Die Rolle der Frau bei den meisten Indianerstämmen war so, wie man sie heute kaum akzeptieren würde. Sie wurde zwar geachtet, galt aber als Eigentum der Männer, denen sie sich fügen musste. War der Ehemann unterwegs, musste sie dem Vater oder dem älteren Bruder gehorchen. Ihr Hauptaufgabe in der Gesellschaft der Indianer war die Rolle als Hausfrau und Mutter. Essen bereiten, Brot backen, Feuerholz und Wurzeln suchen, sowie Büffelhäute gerben und Büffelfleisch in mundgerechte Portionen zerteilen, gehörten zu den relativ einfachen Aufgaben, die sie zu bewältigen hatten. Sie musste aber auch Schwerstarbeit verrichten. Dazu gehörte beispielsweise das Bestellen der Felder bei sengender Hitze, und das Einholen der Ernte für ihre ganze Familie. Eine weitere Aufgabe der Frau lag darin, die Tipis aufzustellen und auch wieder abzubauen.

Als Mutter sorgte sie liebevoll für ihre Kinder. Gleichzeitig war sie aber auch deren Lehrerin. Sie unterrichtete ihre Kinder in der Sprache, klärte sie über die religiösen Sitten des Stammes auf, und erzog sie zu abgehärtete Menschen, damit sie sich in der Wildnis behaupten konnten.

Die Indianerfrau entwickelte sich im Laufe der Zeit zu einer wahren Künstlerin. Das Flechten von Körben, Töpfern und insbesondere das Weben von Tüchern und Decken beherrschte sie mit einer vollkommenen Perfektion. Sie fertigte aus Felle und Leder Kleidungsstücke, und verzierte sie mit kunstvollen Stickereien.

Die Männer beteiligten sich nie an der Hausarbeit. Sie waren nur für die Jagd und den Krieg zuständig, was für die Frauen so gut wie nie in Frage kam. Allerdings bewiesen die Frauen bei vielen Stämmen einen zweifelhaften Einfallsreichtum, wenn es darum ging, Gefangene zu martern und schließlich zu töten. Die "Untertan-Rolle" der  Frau war bei fast allen Stämmen im Wilden Westen wiederzufinden. Es gab aber auch Ausnahmen. Der einzige nordamerikanische Indianerstamm, bei dem die Männer Feldarbeit leisteten, war der Stamm der Pueblo, und bei den Irokesen hatte die Frau eine höhere Stellung. So kontrollierte sie die Wahl des Häuptlings, und konnte diesen auch wieder absetzten, wenn er seine Leistung nicht erbrachte. Außerdem waren Behausung - bei den Irokesen waren es die so genannten Langhäuser - und Felder Eigentum der Frau. Im Gegensatz zu den vielen berühmten Häuptlingen, gab es bei den Frauen nur wenige Persönlichkeiten, die in der Öffentlichkeit bekannt wurden. Eine Ausnahme war Sacajawea, die bei der Lewis- und Clark-Expedition vieles für das Gelingen beitrug. So war es ihr zu verdanken, dass das erste Treffen zwischen den Expeditionsmitgliedern und den Shoshonen friedliche verlief.


Die Wohnstätten
Die Form der indianischen Wohnstätten war zum einen abhängig von der Lebensform der Indianer, zum anderen vom Baumaterial, welches in der Umgebung zu finden war. Während  sesshafte Bauern feste und stabile Hütten benötigten, war das Zelt für die herumziehenden Jäger und Sammler die ideale Behausung. Die wohl bekannteste Unterkunft der Indianer war das Tipi. Es wurde wegen der leichten Transportierbarkeit vorwiegend von den nomadischen Stämmen der Plains verwendet. Das Wort stammt von den Sioux, und heißt soviel wie "in ihm wohnen". Wegen der relativ einfachen Konstruktion, war das Tipi leicht zu montieren. Diese Arbeit übernahmen fast immer die Frauen, und dauerte höchstens eine Stunde. Als erstes wurden 3 oder 4 Pfähle aus Kiefern- oder Fichtenholz am oberen Drittel zusammengebunden, und als Grundgerüst kegelförmig aufgestellt. Anschließend wurden daran bis zu 30 Stangen befestigt. Die ganze Konstruktion wurde dann mit Zeltdecken, die aus Büffelhäuten bestanden, bedeckt. Schließlich wurde die Zeltdecke mit Pflöcken oder Steine am Boden verankert. Als Rauchabzug befanden sich an der Spitze Rauchklappen, die je nach Bedarf geöffnet oder verschlossen werden konnten. Die Größe der Tipis lag bei ca. 3 - 8 Meter. Es gab aber auch Ritualzelte, die so groß waren, dass sie bis zu 50 Personen fassen konnten. Die Öffnung wies immer nach Osten, wo die Sonne aufging. Außerdem war dadurch das Innere durch den vorherrschenden Westwind geschützt.

Die Zeltdecke war häufig mit zahlreichen magischen Symbolen kunstvoll verziert. In der Mitte der Tipis befand sich eine Mulde für die Feuerstelle, und rundherum war der Boden mit Häuten und Felle ausgelegt. Während der Aufbau ca. eine Stunde dauerte, benötigte man für den Abbau je nach Größe bis zu einer Viertelstunde. Die Größe der Tipis hing auch davon ab, wie viel Pferde der Stamm besaß. Oft waren drei Packpferde nötig, um ein Zelt zu transportieren. Die großen Zeltstangen wurden jeweils an den Seiten der Pferde befestigt, wobei die Enden der Stangen auf den Boden hinterher geschliffen wurden. So entstand schließlich eine Schleppbahre, die auch Travois genannt wurde.

Eine ebenfalls bekannte Bezeichnung für eine indianische Behausung ist "Wigwam". Oft wird das Wort fälschlicherweise für alle Wohnstätten der Indianer, insbesondere für das Tipi verwendet.  In Wirklichkeit handelt es sich aber um eine Kuppelhütte, die aus Buchen- oder Birkenstämme besteht. Diese Stämme wurden in den Boden gerammt und zur Mitte hin gebogen, wo sie schließlich verbunden wurden. Anschließend wurden ringförmig um sie herum weitere Stangen angebracht. Das ganze wurde dann mit großen Baumrinden zugedeckt. In der Mitte befand sich ein Loch für den Rauchabzug. Das Wigwam wurde vorwiegend von den Stämmen der Algonkin im nordöstlichen Waldland der USA verwendet. Das ursprüngliche Wort stammt auch aus der Sprache der Algonkin und lautete Witu, Weto, oder Wetoum. Die weißen Kolonisten machten im 17. Jahrhundert daraus das Wort "Wigwam".Eine ähnliche Konstruktion wie das Wigwam war das Wickiup. Es war die Behausung der in Nevada und Arizona lebenden Apachen. Das Grundgerüst bestand aus Ästen, und wurde nicht mit Baumrinde, sondern mit zusammen geflochtenem Gras bedeckt.  

Die Behausung der Navajo-Indianer hieß Hogan, was soviel wie "Zuhause" bedeutet. Es war meisten eine achteckige Wohnstätte, die aus Baumstämmen bestand und mit Lehm abgedichtet wurde. Das Dach, in dem sich ein Loch für den Rauchabzug befand, wurde mit Erde aufgeschüttet Das Hogan hatte einen Durchmesser von ca. 6 Meter und der Eingang zeigte, wie beim Tipi, immer nach Osten.

Die Seminolen aus dem Südosten der heutigen USA bauten eine Hütte auf Pfählen, deren Dach mit Schilfblätter abgedeckt war. Die Hütte, die Chickee genannt wurde, hatte keine Wände, schützte aber als Pfahlbau vor Hochwasser und vor wilde Tiere wie z. B. Alligatoren.

Eine ganz andere Hausform, die uns ehe an europäische Unterkünfte erinnert, war das Langhaus der Irokesen. In ihm lebten immer mehrere Familien der gleichen Sippe.  Das Langhaus hatte eine durchschnittliche Länge von 25 Meter, teilweise war es sogar bis zu 50 Meter lang. Das Gerüst bestand aus in den Boden gerammte Stämme, die mit langen Stangen verstrebt waren. Die Stämme wurden entweder gebogen und in der Mitte zusammengebunden, so dass sich daraus ein Runddach ergab, oder man setzte auf die ganze Konstruktion ein Giebeldach. Für die Isolierung des Innenraumes verzichtete man auf Fenster. Wie oben schon erwähnt, lebten in diesem Langhaus mehrere Familien nebeneinander, für die jeweils eine abgegrenzte Abteilung angeordnet wurden. In der Mitte des Langhauses befanden sich im Abstand von mehreren Metern die Feuerstellen.

Die einzigen indianischen Bauwerke, die mehrere Jahrhunderte überdauert haben, wurden von den Puelbo-Indianern gebaut und hießen auch selber Pueblos. Es waren schachtelförmig übereinander gebaute Wohnstätten, die aus Sandsteinplatten oder Lehmziegel (Adobe) errichtet wurden.


Zum vermauern benutzten die Indianer Lehm. Die Gebäude hatten teilweise bis zu 5 Stockwerke ohne Fenster und Türen, und waren anfangs nur über Leitern vom Dach aus zu erreichen, was bei Angriffen feindlicher Indianer von Vorteil war. Jeder Familie stand eines von bis zu 200 Zimmern zur Verfügung.