Die Häuptlinge
Als Häuptling wird der anerkannte Anführer einer Gemeinschaft bezeichnet. Er musste bestimmte Charakterzüge aufweisen. So konnte er nur durch Klugheit, Tapferkeit und durch herausragende Leistungen seine Häuptlingswürde behalten. Redegewandtheit und das fällen umsichtiger Urteile gehörten ebenfalls zu den Merkmalen eines guten Häuptlings. Viele nordamerikanische Stämme unterschieden zwischen Friedenshäuptlinge und Kriegshäuptlinge. Während das Amt des Friedenshäuptlings meistens vererbt wurde, musste sich der Kriegshäuptling sein Amt bei den Stammesbrüdern erst durch besonderer Taten verdienen.
Die Aufgabe dieses Häuptlings bestand darin, bei kriegerischen Auseinandersetzungen die Taktik festzulegen, Wachposten aufzustellen, Lagerplätze auszusuchen und seine Krieger in die Schlacht zu führen. Der Friedenshäuptling hingegen war u. a. eine Art Richter, der Streitigkeiten zwischen den Stammesbrüder schlichtete, sowie Sprecher bei Verhandlungen zwischen den Stämmen bzw. bei Verhandlungen mit der US-Regierung. Die einzelnen Häuptlinge konnten allerdings keine eigene Entscheidung treffen. Sie mussten sich dem Willen der Mehrheit beugen. In Zeiten des Krieges hatte der Kriegshäuptling eine größere Macht, während sich der Friedenshäuptling unterordnen musste. Das konnte sehr lange dauern, da viele Stämme ständig gegen die Weißen bzw. gegen Nachbarstämme Krieg führten. Bei vielen Prärie-Indianern splitterten sich die Stämme in einzelne Gruppen.
Wenn sich diese Gruppen bzw. sich die einzelnen Stämme untereinander vereinigten, entstand ein Gemeinschaftsrat, der aus mehreren Häuptlingen bestand. Aus diesem Gemeinschaftsrat heraus wurden wiederum ein oder mehrere Oberhäuptlinge gewählt. So gab es z. B. bei den Cheyenne 44 Häuptlinge und 4 Oberhäuptlinge. Sitting Bull hingegen hatte als alleiniger Oberhäuptling den Befehl über alle Krieger der Sioux, Cheyenne und Arapahoes, als diese 1876 die Schlacht am Little Big Horn gegen General Custer schlugen. Bei den Apachen gab es nie eine Vereinigung zwischen den einzelnen Stammesgruppen. Aus diesem Grunde kannten diese auch nicht den Begriff Oberhäuptling. Bei einigen Indianerstämmen des Nord- und Südostens bezeichnete man den Häuptling auch als Sachem, bzw. als Sagamores, wenn es sich um einen Häuptling mit wenigem Einfluss handelte. Andere Stämme übernahmen sogar den westlichen Wortschatz und nannten ihre Häuptlinge "König" oder "Kaiser", und bei den Cherokees hieß der Häuptling Präsident.


American Horse
American Horse wurde um 1830 geboren und war Häuptling der Oglala. Er wurde vor allem durch seine Freundschaft mit Sitting Bull bekannt, mit dem er neben Red Cloud und Crazy Horse in zahlreichen Gefechten im gesamten Sioux-Krieg kämpfte.
 
So überfiel er beispielsweise auf Befehl Red Glouds am 1. August 1867 die Soldaten des Forts C. F. Smith, die gerade dabei waren, Heu einzuholen. Dabei mussten American Horse und seine Krieger aber eine erbitterte Niederlage hinnehmen, da die Soldaten mit für die damalige Zeit modernen Hinterladergewehren ausgerüstet waren, und den Angriff erfolgreich abwehren konnten. Dieses Gefecht wurde als "Heufeld-Gefecht" bekannt und von den USA als überragender Sieg über die Indianer gefeiert, obwohl es, wie viele andere Gefechte auch, keine strategische Bedeutung hatte. Einen Tag später ereilte Red Cloud bei der "Wagenburg-Schlacht" übrigens das gleiche Schicksal.
American Horse starb am 29. September 1876, als sein Dorf von einer Vorausabteilung unter der Führung von Captain Anson Mills überfallen wurde.


Black Kattle
Black Kettle (Schwarzkessel), sein indianischer Name war Moxtaveto, wurde um 1803 geboren. Er war Häuptling der Cheyenne. Black Kettle war zusammen mit White Antilope einer der wenigen Häuptlinge, die es vorzogen, Frieden mit dem weißen Mann zu schließen, und die sich nie etwas vom Krieg versprochen haben. So akzeptierten sie im Jahre 1861 den Bruch eines Vertrages von 1851. Durch diesen Vertrag wurde den Cheyenne und den Arapaho ursprünglich die Jagdgründe garantiert, durch die nun eine Reiseroute von Kansas nach Colorado führte. Anschließend gingen sie nach Washington, um sich mit Präsident Lincoln zu treffen. Dieser überreichte Black Kettle eine amerikanische Flagge, und White Antilope einen Friedensorden. Jedoch nicht alle Indianer-Häuptlinge stimmten diesem Vertragsbruch zu. Während einige nach Norden ins Powder-River-Land zogen, um sich dort mit den nördlichen Cheyenne zu verbünden, wandte sich Black Kettle mit ca. vierhundert Anhängern südlich des Akansas-River. Als es aber im Jahre 1864 zwischen US-Truppen und Indianern zu kleinen Gefechten kam, vermehrten sich die Gerüchte um einen Indianerkrieg. Daraufhin ging Black Kettle nach Denver und traf sich dort mit dem Gouverneur John Evans und dem Militärbefehlshaber, Colonel John Chivington, denen er erklärte, dass er den Weißen Mann nicht zum Feind haben will, und das es ihm nur um eins geht: um Frieden. Beide sagten ihm zu, dass er mit seinem Volk in der Nähe von Fort Lyon im südöstlichen Colorado das Lager aufschlagen kann, und das sie dort sicher sein werden.
So zog Black Kettle in die vermeintliche Sicherheit zum Sand Creek, ca. 65 Kilometer nordöstlich von Fort Lyon. Am 27. November traf Colonel John Chivington jedoch mit seinem 3. Colorado Regiment in Fort Lyon ein, mit der Absicht, die Cheyenne zu überfallen. Dieser Mann, der für die Sicherheit der Cheyenne garantierte, befahl seinen Soldaten, keine Gefangenen zu machen und alle - ob jung oder alt - zu töten. Einen Tag später brach er dann mit seinen 700 Mann auf zum Sand Creek. In dem Lager von Black Kettle befanden sich ca. 600 Indianer, meist Frauen und Kinder, da sich die Männer auf Büffeljagd befanden. Als Colonel John Chivington und seine Männer das Dorf am morgen des 29. November 1864 angriffen, hisste Black Kettle die Flagge der Vereinigten Staaten, die er von Präsident Lincoln geschenkt bekam, und zusätzlich noch eine weiße Flagge, als Zeichen dafür, dass die Bewohner des Dorfes keine feindliche Absicht haben. Dann forderte er sein Volk auf, sich um diese Flaggen zu stellen, denn man hatte ihm gesagt, sie seien jedem Soldat heilig, und jede Armee würde dieses Zeichen des Friedens respektieren.
Als Colonel Chivingtons Männer das Dorf erreichten, missachteten sie jedoch das Sternenbanner und die weiße Flagge. Erbarmungslos metzelten sie alles nieder, was ihnen im Weg stand. Frauen, Kinder, Säuglinge und alte Menschen. Sie skalpierten, vergewaltigen, verstümmelten. Die Brutalität, die Chivingtons Männer zu Tage legten, stellte bis dahin alles in den Schatten, was es in den Indianerkriegen gegeben hatte. White Antilope hatte Angesichtes dieses brutalen Überfalls mit seinem Leben abgeschlossen. Mit verschränkten Armen stand er vor seinem Zelt, seinen Friedensorden um den Hals und sang ein Totenlied. Bald darauf wurde er erschossen.
Black Kettle floh mit seiner Frau zum Bachbett, um sich dort zu verstecken. Seine Frau wurde jedoch von mehreren Kugeln getroffen. In der Annahme sie sei tot, ließ er sie liegen und rannte weiter.
Am Abend, als die Menschen aus ihren Verstecken kamen, konnte Black Kettle zu seiner Erleichterung feststellen, dass seine Frau wie durch ein Wunder überlebt hatte. 170 Indianer jedoch fielen Chivingtons Männern zum Opfer. Die Überlebenden flüchteten in das über 80 Kilometer entfernte Jagdlager der Cheyenne, die sich die ganze Zeit über gegen Frieden und für einen Widerstand ausgesprochen hatten. Dort wurden sie mit Kleidung und Essen versorgt.
Nach diesem Massaker vereinten sich mehrere Stämme, die durch Überfälle auf Poststationen und Wagenkolonnen Rache übten. Trotz dieses Verrats unterschrieb Black Kettle am 14. Oktober 1865 im Namen der südlichen Cheyenne einen Vertrag mit der Regierung.
Mit diesem Vertrag erklärte er sich einverstanden, sämtliche Rechte auf das Indianerland im Territorium Colorado aufzugeben. Zwei Jahre später - am 16. Oktober 1867 - handelte er am Medicine Lodge Creek ein Friedensabkommen aus, in dem er sich dazu verpflichtet in einem Reservat des Staates Oklahoma zu leben. Als Gegenleistung sollte er und sein Volk Nahrung, Kleidung und Unterkünfte bekommen.
Im Spätherbst des Jahres 1868 schlug er dann sein Winterlager am Washita River auf. Viele junge Männer hatten ihn jedoch verlassen und sich den indianischen Widerstandskämpfer angeschlossen. Am 27. November 1868 sollte sich jedoch zeigen, dass der Vertrag von Mecicine Lodge Creek wertlos war. Am Morgen dieses Tages griff die 7. Kavallerie unter der Führung von Lieutenant Colonel Custer das Dorf am Washita River an. Auch hier wurden flüchtende Männer, Frauen und Kinder niedergemetzelt. Black Kettle und seine Frau wurden gleich zu Beginn des Überfalls von tödlichen Kugeln getroffen, als er den Washita River überqueren wollte. Sein Eintreten für Frieden und Freiheit und sein ständiger Glaube an das Gute, hat vielen Menschen seines Volkes das leben gekostet. Zweimal wurde er bitter enttäuscht, und beim zweitenmal mussten er und seine Frau für seine Bestrebungen selber mit dem Leben bezahlen.


Chief Joseph
Chief Joseph, auch Himmaton Yalatkit genannt, wurde um 1840 geboren und war Häuptling der Nez Percé. Die Nez Percé hatten ihre Heimat in dem Gebiet der heutigen US-Bundesstaaten Washington, Oregon und Idaho. Sie lebten lange in Frieden mit den Weißen, freundeten sich mit Pelzjägern an, und ließen sogar den Missionar Henry H. Spalding zu sich kommen, so dass einige von ihnen zum christlichen Glauben übergingen. So auch Himmaton Yalatkits Vater namens Tuekakas, der vor seinem Sohn Häuptling der Nez Percé war, und den der Missionar auf den Namen Old Joseph umtaufte. Die Nez Percé teilten sich in mehrere Gruppen auf, die unabhängig voneinander waren, und auch für sich eigenen Entscheidungen trafen. Die Gruppe von Tuekakas, die sogenannte Wellamotkin-Gruppe, lebte im Wallowa-Tal im Nordosten Oregons. Während Tuekakas Amtszeit im Jahre 1855, schlossen die Nez Percé einen Vertrag mit der US-Regierung ab, der ihnen für die Abtretung des größten Teils ihres Landes, eine Reservation in Idaho und Oregon garantierte. Als jedoch im Jahre 1860 Gold in den Gebieten gefunden wurde, und in der Folgezeit immer mehr Goldsucher in die Reservation einströmten, verlangte im Jahre 1863 die US-Regierung von den dort lebenden Indianern auch dieses Land aufzugeben und in ein noch kleineres Reservat nach Idaho umzusiedeln. Während Tuekakas und andere Häuptlinge sich weigerten, wurden andere Häuptlinge von den amerikanischen Unterhändlern bedrängt und bestochen und schließlich dazu gebracht, den Vertrag zu unterzeichnen. Als Tuekakas davon erfuhr, entsagte er dem christlichen Glauben und kehrte zu seiner alten Religion zurück.
Im Jahre 1871 starb Tuekakas und sein Sohn Himmaton Yalatkit wurde nun Häuptling der Nez Percé. Den Weißen wurde er bald als Chief Joseph bekannt. Chief Joseph setzte nun das Erbe seines Vaters fort. Sechs Jahre lang widersetzte er sich gegen die Vertreibung aus seiner Heimat. Zwischendurch gab es immer wieder Verhandlungen zwischen den Indianern und den Unterhändlern der US-Regierung. So auch am 2. Mai 1877. Hier traf sich eine Delegation der Nez Percé unter der Führung von Chief Joseph mit dem einarmigen General Oliver Otis Howard. Die zunächst freundliche Atmosphäre änderte sich schnell, als General Howard seine Gesprächspartner ultimativ aufforderte, das Wallowa-Tal sofort zu verlassen und ins Lapwai-Reservat zu ziehen. Ein Unterhändler von Chief Joseph, namens Too-Hul-Hul-Sote, sprang daraufhin wütend auf und sprach:
"Der Große Geist schuf die Welt, wie sie ist und er sie wollte. Einen Teil davon machte er für uns, damit wir in ihm leben können. Ich sehe nicht, woher du die Befugnis nimmst, uns zu sagen, dass wir nicht an den Stellen leben dürfen, die er uns anwies"
Nachdem Howard ihn dazu ermahnte, er solle den Mund halten und ihm drohte, ihn einzusperren, erwiderte Too-Hul-Hul-Sote:
Wer bist du, dass du uns bittest zu sprechen und dann sagst, dass wir nicht reden dürfen? Bist du der Große Geist? Hast du die Welt erschaffen? Hast du die Sonne erschaffen? Hast du die Flüsse erschaffen, damit wir zu trinken haben? Hast du das Gras wachsen lassen? Hast du alle dies Dinge erschaffen, dass du zu uns sprichst, als ob wir Knaben wären? Wenn du das erschaffen hast, gestehe ich dir das Recht zu, so zu reden, wie du es getan hast."
Nach diesen Worten wurde er dann tatsächlich in das Wachhaus gebracht und dort eingesperrt. Trotz dieser Demütigung war Chief Joseph besonnen genug, die Verhandlungen nicht abzubrechen. Er wollte unter allen Umständen einen Krieg mit den Weißen vermeiden, da er wusste, dass dieser auf lange Sicht nicht gewonnen werden konnte. Widerwillig war er schließlich bereit, seine Heimat aufzugeben und sein Volk in das neue Reservat zu bringen. Zunächst kehrte Chief Joseph jedoch in das Wallowa-Tal zurück, um sich dort mit den anderen Gruppen der Nez Percés zu treffen. Hier hielten aber einige junge Krieger die Ungerechtigkeiten der Weißen nicht mehr aus. Sie griffen daraufhin benachbarte Siedler an, die sich in dem Tal aufhielten, und töteten sie.
Chief Joseph wusste jetzt, dass der Krieg nicht mehr zu verhindern war. Die Nichtvertrags-Gruppen der Nez Percé zogen sich daher in den Whitebird Canyon zurück, wo sie aber schon bald von General Howards Soldaten entdeckt wurden. Bei dem folgenden Gefecht töteten die Indianer ein Drittel der US-Truppe und schlugen den Rest in die Flucht.
Jetzt beschloss Chief Joseph zusammen mit seinen Unterhäuptlingen Looking Glass, White Bird, Hush-Hush-Cute, Ollicut und Too-HuL-Hul-Sote sich nach Kanada abzusetzen, um sich dort mit Sitting Bulls Sioux-Kriegern zu verbünden. Mit 250 Krieger und 450 Frauen, Kindern und alte Menschen begann nun eine 1600 Kilometer lange Odyssee in Richtung Freiheit. Während ihrer Flucht mussten sie sich immer wieder der überlegenen US-Armee im Kampf stellen. Dank der genialen Kriegsführung von Chief Josephs Unterhäuptlingen, mussten die Armeen der US-Regierung aber eine Niederlage nach der anderen verbuchen. Die Generäle, die ihnen folgten, wurden teilweise bis auf die Knochen blamiert. Chief Joseph verbot seinen Kriegern Skalps zu nehmen, unschuldige Farmer und Familien zu ermorden, und Frauen und Kinder gefangen zu nehmen. Die Kampferfolge und die ritterliche Kampfführung veranlasste die Presse sogar dazu, Chief Joseph als Mythos zu erheben. Die Journalisten forderten: "Man solle ihn doch in Zukunft das Oberkommando der Landstreitkräfte übertragen". Man bezeichnete ihn auch als "Roten Napoleon des Westens".
Nachdem Chief Joseph und sein Volk das Bitterroot-Tal erreicht hatten, wurden sie jedoch diesmal von Oberst John Gibbons Soldaten umzingelt. Ihre Tipis wurden dabei ein Opfer der Flammen. Dennoch konnten die Nez Percés den Angriff mit dem Mut der Verzweiflung noch einmal abwehren.
Im Yellowstone-Park mussten sie sich aber bei einem zweiten Angriff nach und nach zurückziehen, und am 30. September 1877 ereilte sie dann schließlich doch noch das Schicksal, als sie 48 Kilometer von der Kanadischen Grenze entfernt, von General Nelson A. Miles und seinen Soldaten angegriffen wurden. Dabei wurden viele von Chief Josephs Unterhäuptlinge und Krieger getötet. Die verbleibenden Krieger konnten sich dem Angriff zwar noch bis zum 5. Oktober widersetzten, mussten dann aber kapitulieren, da sie nur unter Zurücklassung der Frauen und Kinder hätten fliehen können. Die darauffolgende Kapitulationsrede von Chief Joseph ist zu einem geschichtlichen Ausspruch geworden:
"Ich bin kampfesmüde. Unsere Häuptlinge sind tot. Es ist kalt, und wir haben keine Decken. Die kleinen Kinder erfrieren. Manche meiner Leute sind in die Berge geflohen und haben keine Decken und nichts zu essen. Niemand weiß, wo sie sind, vielleicht erfrieren sie. Ich brauche Zeit, um nach meinen Kindern zu sehen und zu wissen, wie viele ich von ihnen wiederfinde. Möglicherweise werde ich sie unter den Toten finden. Hört mich an, weiße Häuptlinge: Mein Herz ist krank und betrübt. Vom augenblicklichen Stand der Sonne an gelobe ich, ich kämpfe niemals wieder."
Nach dieser Rede konnten einige Krieger doch noch in der Dunkelheit fliegen und die Grenze nach Kanada überqueren. Sie fürchteten, dass sie schwer bestraft, oder sogar zum Tode verurteilt würden. Joseph jedoch blieb in der Annahme, er und sein Volk könnten in ihr Land im Nordwesten zurück. Sie wurden aber in die Reservation im Indian Territory nach Oklahoma gebracht.
Von hier aus setzte er sich mit Hilfe von Menschenrechtlern aus dem Osten und den Mittleren Westen für die Rechte der Nez Percés ein. Im Jahre 1879 besuchte er sogar den amerikanischen Präsidenten Hayes und trug ihm sein Anliegen persönlich vor. Aber erst 1885 konnten Joseph und sein Volk nach einer massiven Kampagne der Menschenrechtler in den Nordwesten zurückkehren. Da die dort lebenden Siedler den Nez Percés aber feindlich gesinnt waren, und auch die Politiker sie immer noch für "Unruhestifter" hielten, zogen sie schließlich zur Colville-Reservation ins Washington Territory. Dort starb Chief Joseph am 21. September 1904 "einfach an gebrochenem Herzen". Richter C. C. Goodwin schrieb nach Josephs Ableben:
"Kein Sohn des Nordwestens war tapferer als er, keiner war treuer zu seiner Heimat als er, und keiner hielt sich auch in drohendster Gefahr mehr in der Gewalt als er."


Cochise
Cochise war Häuptling der Chiracahuas-Apachen. Diese Häuptlingswürde hatte er von seinem Vater geerbt, der Herr über das Land bei den Dragoon und Chiraicaha-Mountains im südöstlichen Arizona war. Wann Cochise geboren wurde, ist nicht bekannt. Zunächst lebte er in Frieden mit den Amerikanern, da diese im Krieg gegen die Mexikaner kämpften, die die Chiracahuas-Apachen auch zu ihren Feinden zählten. Als der amerikanisch-mexikanische Krieg aber durch den Vertrag von Guadalupe Hidalgo beendet wurde, und Goldsucher in das Land der Apachen strömten, verblasste die Freundschaft mit den Weißen. Im Jahre 1861 wurde Cochise von dem Leutnant George N. Bascom festgenommen, weil er angeblich einen weißen Jungen entführen wollte. Dabei konnte er jedoch fliehen, wurde aber von einem Soldaten durch einen Schuss verletzt.

Zusammen mit Mangas Coloradas und Geronimo überfiel er daraufhin am 14. Juli 1862 mit über 700 Kriegern eine aus 126 Soldaten bestehende Militär-Kolonne unter der Führung von Captain Thomas Roberts. Hier mussten die Apachen aber eine herbe Niederlage hinnehmen, da die US-Truppe zwei Berghaubitzen mitführte, mit dessen Hilfe der Angriff abgewehrt werden konnte. Nach dieser Niederlage beschloss Cochise, keinen Massenangriff dieser Art mehr zu führen, sondern statt dessen seine Krieger in kleine Gruppen aufzuteilen, die so einen regelrechten Guerillakrieg gegen Soldaten, Siedler und Goldsucher führten. Nach dem Mord an seinen Schwiegervater Mangas Coloradas überfielen seine Krieger noch zehn lange Jahre Siedlungen, Bergwerke und Postkutschen.
Trotz vieler militärischer Erfolge, sah Cochise bald ein, dass er auf lange Sicht den Krieg nicht gewinnen konnte. Im Jahre 1871 suchte der US-Postinspektor Thomas Jeffords das Lager von Cochise auf, und bat ihn, die Postkutschen in Frieden durch sein Gebiet ziehen zu lassen. Nach diesem Gespräch entstand eine tiefe Freundschaft zwischen den beiden Männer, und Jeffords wurde ein enger Vertrauter des Häuptlings. So arrangierte er 1872 mehrere Treffen zwischen dem Friedensunterhändler General Oliver Otis Howard und Cochise. Nach 11 Verhandlungstagen unterzeichnete dann Cochise einen Vertrag, der den Chiracahuas-Apachen ihr herkömmliches Jagdgebiet als Reservat garantierte. Aber auch dieser Vertrag sollte zwei Jahre später von der US-Regierung gebrochen werden, nachdem diese die Verlegung des Reservats geplant hatte. Ausgerechnet in dieser Zeit wurde Cochise schwer krank und immer schwächer, so dass er nicht mehr in der Lage war, gegen diesen Vertragsbruch anzugehen. Am 8. Juni 1874 starb Cochise friedlich, ohne seinem Volk noch helfen zu können.


Crazy Horse
Crazy Horse wurde im Herbst 1841 als Sohn eines Medizinmannes geboren. Sein indianischer Name lautete Tashunka Witko (wildes Pferd). Er gehörte zum Stamm der Oglala. Crazy Horse unterschied sich von seinen Stammesbrüdern durch eine ungewöhnlich helle Haut und durch hellbraunes Haar. Wie all seine Kameraden sollte er schon in frühester Kindheit tapfer sein und den Kriegern nacheifern. Schon als Junge nahm er an Kriegszüge gegen feindliche Stämme wie die Crows und den Shoshonen teil. Er prahlte jedoch nicht mit seinen Taten wie seine Kameraden. Im Gegenteil, als junger Mann war er sehr bescheiden und zurückhaltend. Am 21. Dezember 1866 vernichtete Crazy Horse mit seinen Stammesbrüdern unter der Führung von Red Cloud den größten Teil der Besatzungstruppen von Fort Phil Kearny unter dem Kommando von Captain Fetterman. Fetterman war ein Indianerhasser und prahlte oft damit, dass er mit 80 Mann durch die gesamte Sioux-Nation reiten könne. An diesem Tag wurde ein Trupp Soldaten vor das Fort geschickt um Holz zu holen. Dabei wurden sie von den Indianern, die das Fort belagerten, angegriffen und eingekesselt.
Als Fettermann mit seiner Truppe den Soldaten zu Hilfe kam, viel er auf einen alten Lockvogel-Trick der Indianer herein. Denn entgegen dem strikten Befehl, die Indianer nicht zu verfolgen, tat er es doch, und in einem Tal schnappte die Falle zu. 81 Soldaten starben daraufhin in einem Hagel von 40000 Pfeilen. Diese Schlacht wurde bekannt als Fetterman-Massaker. Bei einer weiteren Schlacht, bei der Crazy Horse dabei war, widerfuhr dem Häuptling Red Cloud jedoch eine erbitterte Niederlage. Am 2. August 1867 griffen die Krieger eine Holzfällerkolonne an, die sich hinter einer Wagenburg verschanzt hatte. Obwohl die Indianer in der Überzahl waren, wurden sie von den Gewehrkugeln nieder gemäht. Das war möglich, weil die Holzfäller zur damaligen Zeit moderne Einzelladergewehre hatten, so genannte "Trap-Door-Springfield"-Gewehre, mit denen eine schnellere Schussfolge möglich war. Red Cloud war von dieser Niederlage schwer betroffen, und Crazy Horse wollte von nun an eine solche Verteidigungsstellung nicht mehr im Sturmangriff erobern. Die indianische Kriegsführung musste nach seiner Ansicht geändert werden. Er wollte in Zukunft seine Truppen schonen, und besann sich vorwiegend auf den alten Lockvogel-Trick, mit dem er in der Folgezeit einige Schlachten schlagen konnte. Am 17. Juni 1876 schlug Crazy Horse im Rosebud-Tal die Truppe des Bürgerkriegskämpfers General Crook, die sich aber mit Hilfe des Shoshonen-Häuptlings Washakie zurückziehen konnte.
Am 25. Juni 1876 kam es dann zur berühmten Schlacht am Little Big Horn, bei dem Crazy Horse dank seiner jetzt überlegenen Kriegsführung zusammen mit Sitting Bull General Custers Kompanie vernichtend schlug. Nach dieser Schlacht musste Crazy Horse fliehen, da er jetzt von der US-Armee gejagt wurde.
Am 8. Januar 1877 fand ein Kommando von General Nelson A. Miles das Lager von Crazy Horse. Er konnte jedoch fliehen. Aber der kalte Winter brachte ihm und seinen Gefolgsleuten nur Hunger, Durst und Erschöpfung. Daher ergab er sich schließlich zusammen mit 300 Familien. Er wurde im Red Cloud-Reservat bei Fort Robinson untergebracht. Als er sich bei dem Versuch ihn einzukerkern widersetzte - er soll angeblich einen Fluchtversuch unternommen haben - wurde er durch ein Bajonett hinterrücks erstochen.


Dull Knifle
Dull Knife, geboren um das Jahr 1810, war Häuptling der nördlichen Cheyenne und führte etwa 400 Krieger an. 1865 kämpfte er neben Red Cloud und Roman Nose gegen die Weißen, die immer tiefer in das Power-River-Land eindrangen. Dann überfiel er im August des Jahres 1865 einen Wagentreck unter der Führung von James A. Sawyers, der eine Abkürzung zu den Goldfeldern in Montana durchs Indianergebiet suchte. Außerdem überfiel er später einen Soldatentrupp von General Connor, dem er dabei Pferde, Waffen und diverse Ausrüstungsgegenstände stahl. Trotz dieser Überfälle setzte sich Dull Knife schon früh für Frieden mit den Weißen ein. Im Jahre 1868 unterzeichnete er den Vertrag von Fort Laramie, verlor dabei aber an Autorität. Am 25. November 1876 wurde das Zeltdorf von Dull Knife von einer Abteilung Kavallerie der US-Armee unter der Führung von General Crook angegriffen. Bei diesem Gefecht konnten jedoch Dull Knife und die meisten Indianer seines Volkes in die Bighorn-Berge flüchten. Hier mussten aber wegen der klirrenden Kälte viele Kinder und ältere Menschen ihr Leben lassen. Nach dreitägiger Wanderung über eisigem Schnee, erreichte er dann das Lager von Crazy Horses, mit dem er sich allerdings im Frühjahr des Jahres 1877 bei Fort Robinson ergab. Dull Knife und sein Stamm wurden daraufhin ins Indianerreservat Darlington nach Oklahoma deportiert. Am 10. September 1878 beschloss er bei Nacht und Nebel aus dieser Einöde zu fliehen.

Mit 297 Anhängern machte er sich auf, um nach Norden, in sein Vaterland am Tongue River zurückzukehren. Über 13000 Soldaten, Cowboys, Rancher und Siedler versperrten ihm dabei den Weg. Trotzdem gelang es ihm immer wieder zwischen den Reihen durchzuschlüpfen, oder sich erfolgreich zu verteidigen und anschließen zu fliehen, wenn er und sein Volk von der Armee gestellt wurde. Nach einer 6-wöchigen strapaziösen Flucht, näherten sie sich ihren alten Jagdgründen am Tongue River. Hier teilten sich die Flüchtlinge in zwei Gruppen. Während 150 Cheyenne zusammen mit Dull Knife in Red Clouds Reservat um Asyl bitten wollten, beschloss der Rest, mit dem jungen Häuptling Little Wolf nach Norden weiterzuziehen. Am 23. Oktober 1878 geriet die Gruppe von Dull Knife in einen Schneesturm, wo sie dann von einem Trupp Kavallerie gefunden und gefangen genommen wurde. Zwei Tage später wurden sie in Fort Robinson bei eisiger Kälte eingesperrt. Am 9. Januar 1879 gelang es Dull Knife mit seinen Leuten aus diesem Gefängnis auszubrechen. Während viele seiner Anhänger erschossen oder nach Fort Robinson zurückgebracht wurden, erreichte Dull Knife mit wenigen Cheyenne den Tongue River, wo er auch Little Wolf antraf. Hier hofften beide nun endlich eine bleibende Stätte zu finden. Aber erst nach Protesten der weißen Bevölkerung gegen das unmenschliche Vorgehen der Indianer, wurde in diesem Gebiet ein Reservat eingerichtet, wo Dull Knife bis zu seinem Tode im Jahre 1883 seinen Lebensabend verbringen konnte.


Gall
Gall wurde im Jahre 1840 in Süddakota geboren. Er war Kriegshäuptling der Hunkpapa-Sioux und durch seine großen Erfolge als Krieger erwarb er sich Ansehen und Respekt bei seinen Untertanen. Als jedoch der junge Sitting Bull vom Rat der Ältesten zum Oberhäuptling gewählt wurde, fühlte Gall sich übergangen. Er war ehrgeizig und herrschsüchtig, und hatte in keinem Moment daran gezweifelt, dass er zum neuen Oberhäuptling gewählt würde. Sitting Bull begegnete ihm aber mit Freundschaft und er brachte ihm Vertrauen entgegen, was seinen Ärger etwas besänftigte. Dennoch ist bis heute nicht hundertprozentig klar, ob Sitting Bulls Freundschaft von Gall erwidert wurde, oder ob Gall sein Schicksal zähneknirschend akzeptiert hatte. Am 18. August 1862 nahm er in Minnesota an der Seite von Little Crow am Aufstand der östlichen Sioux-Stämme teil. An diesem Tag wurden über 1000 Farmer Opfer der Gewalt. Beim Angriff auf Ford Ridgeley konnte der Aufstand von General Henry Hastings Sibley dann aber blutig niedergeschlagen werden. Gall überlebte die Niederlage und ging zu seinem Stamm zurück. Als die Weißen auf der Suche nach Gold immer tiefer in das Gebiet der Black Hills eindrangen, setzte sich Gall ihnen mit brutaler Gewalt entgegen. Am 25. Juni 1876 kämpfte er dann zusammen mit Sitting Bull und Crazy Horse in der Schlacht am Little Big Horn.
Hier schlug er mit seinen 1500 Kriegern einen Teil der 7. Kompanie, der von Major Reno

angeführt wurde zurück und versperrte einem anderen Teil, der von General Custer selbst befehligt wurde, den Weg. Custer versuchte daraufhin mit seinen Männern auf die höchste Erhebung einer Hügelkette zu flüchten, wo er aber von Crazy Horse und weiteren 1000 Kriegern schon erwartet wurde. Eine solche Einkesselung bedeutete den sicheren Tod der Kompanie. Nach dieser Schlacht flüchtete Gall dann mit Sitting Bull nach Kanada, kehrte aber vor ihm wieder zurück, nachdem er ihn einen Feigling und Lügner genannt hatte. Am 1. Januar 1881 ergab er sich der US-Armee und arrangierte sich sogar mit den Weißen. Von 1889 an war er Richter am Gerichtshof für indianische Vergehen im Standing Rock Reservat.  Am 5. Dezember 1894 starb er unter bis heute noch ungeklärten Umständen.


Geronimo
Geronimo wurde im Jahre 1823 geboren. Sein Vater nannte ihn "Gokhlayeh" ("Einer, der gähnt"), weil er als Kind immer ausgiebig gegähnt hatte. Da sich für die Mexikaner das Wort "Gokhlayeh" schwer aussprechen ließ, bildeten sie das Wort zu Geronimo um. 1858 wurden seine Mutter, seine Frau und seine drei Kinder von mexikanischen Truppen des Militärgouverneus von Sonora, General Jose Maria Carrasco, umgebracht. Von nun an schwörte Geronimo, der vormals ein guter Vater und zärtlicher Ehemann war, Rache. Er unterstellte sich dem Häuptling der Chiracuahuas-Apachen, namens Cochise. Mit seinen Indianern griff er als erstes die Stadt Sonora an, und tötete in seiner Wut eine große Zahl von Soldaten. Geronimo begab sich nun jedes Jahr nach Mexiko und kehrte jedes Mal siegreich zu seinen Stamm zurück. Als der Oberhäuptling Cochise starb, übernahm dessen ältester Sohn dieses Amt, und Geronimo wurde zum Kriegshäuptling gewählt. 1876 wurde er zum ersten Mal ins San-Carlos-Reservat eingewiesen. Doch im Vergleich zu seiner alten Heimat, erwies sich das Reservat als eine öde und trockene Gegend. Verständlich, dass es Geronimo dort nicht lange aushielt und nach Mexiko verschwand. In den folgenden Jahren hielt er sich dann sowohl in Mexiko, als auch im San-Carlos-Reservat auf. Als er im Jahre 1881 davon hörte, dass er von den Amerikanern verhaftet werden sollte, floh er zunächst endgültig mit 74 Anhängern nach Mexiko.

Ca. ein Jahr später schloss er sich dem Kriegshäuptling der Mimbreno, namens Nana an, und 1883 überredete General George Crook Geronimo, wieder nach San Carlos zu kommen, was er 1884 auch tat. Da Geronimo aber befürchtete, wieder verhaftet zu werden, ging er am 17. Mai 1885 abermals nach Mexiko. Jetzt musste er sich ca. ein Jahr lang gegen 3000 Soldaten zu Wehr setzten, und das mit 100 Frauen und Kindern und nur 34 Kriegern. Als Geronimo in der Sierra Madre aufgespürt wurde, willigte er in ein Treffen mit General Crook ein, das am 25. März 1886 statt fand. Obwohl sich Crook und Geronimo einig waren, verschwand er wieder - wahrscheinlich unter Alkoholeinfluss - mit 18 Frauen und Kinder, und 20 Kriegern nach Mexiko. General Neslon A. Miles, der Crook ablöste, nahm am 12. April 1886 die Verfolgung auf. Auf Geronimo waren nun 2000 Dollar Belohnung ausgesetzt. Inzwischen wurde seine Familie und andere Chiracahua-Apachen nach Florida deportiert. Nachdem Geronimo zugesichert wurde, dass er in Florida bei seiner Familie leben könne, ergab er sich am 4. September 1886. Dort verbrachte er 3 Jahre im Gefängnis. Im Jahre 1894 wurde er nach Fort Sill in Oklahoma ins Indianerterritorium gebracht, ohne das er zuvor Kontakt zu seiner Familie hatte.
Ca. 20 Jahre lebte er dort. In dieser Zeit präsentierte man ihn als "Ausstellungsstück" bei der Parade von Präsident Roosevelt und bei der Weltausstellung in St. Louis. Sein Wunsch, noch einmal in seine Heimat zurückzukehren bevor er stirbt, wurde nicht erfüllt. Geronimo war der Indianer, der sich der US-Regierung am längsten widersetzte. Er starb am 17. Februar 1909.

Little Crow
Little Crow (in der Sioux-Sprache "Tshe-ton Wa-Ka-wa Ma-ni = Der Habicht, der im Gehen jagt") wurde im Jahre 1803 als Sohn einer angesehenen Häuptlingsfamilie geboren. Nachdem sein Vater bei einem Jagdunfall ums Leben kam, wurde er früh zum Häuptling der Medwakanton-Dakota gewählt. Little Crow hatte acht Frauen, die ihn zum Vater von zweiundzwanzig Kinder machten. Im Jahre 1851 unterzeichnete er den Vertrag von Mendota, durch den sich die Dakota verpflichteten, einen großen Teil ihres Landes in Minnesota an die USA abzutreten. Als Gegenleistung sollten sie Geld und Lebensmittel von der US-Regierung erhalten. Daraufhin zogen Little Crow und sein Volk in ein Reservat des südwestlichen Minnesota. Dort übernahmen sie die weißen Lebensgewohnheiten, nahmen den christlichen Glauben an, und hielten Frieden mit den Bleichgesichtern. Doch die Bezahlung blieb aus, da der nordamerikanische Bürgerkrieg finanziert werden musste. Im Gegenteil, die Lebensmittel, die von weißen Händlern zu überhöhten Preisen angeboten wurden, waren verdorben und mussten jetzt von den Indianer selbst bezahlt werden. Nachdem die Indianer auch noch von den Weißen verhöhnt wurden, indem sie ihnen zuriefen, "sie sollen doch Gras fressen, wenn sie Hunger haben", stieg die Wut ins Unermessliche.
In der Nacht vom 17. auf den 18. August des Jahres 1862 trafen sich alle östlichen Sioux-Stämme aus Minnesota an den Ufern des Geistersees zusammen, um über Krieg und Frieden zu verhandeln. Nachdem sich Little Crow dafür aussprach, das Kriegsbeil nicht auszugraben, wurde er von anderen Häuptlingen niedergeschrieen und als Feigling bezeichnet. So ließ er sich schließlich gegen seiner Überzeugung in den Krieg gegen die Weißen drängen, und übernahm mit anderen Häuptlingen sogar die Führung des sogenannten Minnesota-Aufstandes.
Am Tage des 18. August fielen dann über 1000 Krieger über alle Weißen her, die sie aufstöbern konnten. Mehr als 1000 Farmer wurden an diesem Tag Opfer von Mord und Totschlag. Erst beim Angriff auf Fort Ridgeley und auf die Stadt Neu-Ulm konnte der Aufstand durch General Henry Hastings Sibley niedergeschlagen werden. Little Crow konnte daraufhin fliehen und setzte sich nach Westen ab. Über 300 Indianer wurden jedoch im Schnellverfahren zum Tode verurteilt, wobei aber nur 38 Todesurteile von Präsident Lincoln anerkannt wurden. Nachdem Little Crow am Devils Lake überwintert hatte, zog er in nördliche Richtung nach Kanada. Er hatte sich dazu entschlossen, sich den Prärie-Sioux anzuschließen. Dazu brauchte er aber Pferde, die er am Abend des 3. Juli 1863 in der Nähe der Siedlung Hutchinson von den Weißen rauben wollte. Dabei wurde er aber von einem Farmer bei einem Schusswechsel tödlich getroffen. Seine Rolle als Anführung des Minnesota-Aufstandes gefiel ihm von Anfang an nicht. Dennoch ließ er sich in diese Rolle drängen, um nicht als Feigling dazustehen.
 
Mangas Coloradas
Mangas Coloradas, geboren um 1795, war Häuptling der Mimbreno-Apachen. 1835 wurden er und seine Stammesgenossen Opfer eines Überfalls, den der Pelzhändler James Johnson mit seinem Kumpan Gleason beging. Hierbei nahmen sie die Indianer, die sich zu einer Feier versammelt hatten, mit einer Haubitze unter Beschuss, um ihnen anschließend ihre Skalpe zu nehmen, für die die mexikanische Regierung eine beachtliche Kopfprämie ausgesetzt hatte. Im Gegensatz zum damaligen Stammeshäuptling Juan Jose überlebte Mangas Coloradas das Massaker, und von da an begann ein 50-jähriger Krieg der Apachen gegen die Mexikaner. Als der heutige US-Bundesstaat New Mexico im Jahre 1846 von Mexiko an die USA viel, wollte er mit den neuen Herren friedlich nebeneinander leben. Im amerikanisch-mexikanischem Krieg verbündete er sich sogar mit dem US-General Kearny. Dabei konnte er die Mexikaner aus einer Kupfermine, die sich auf Apachen-Gebiet in Santa Rita del Cobre befand, vertreiben. Diese Mine, die Mangas Coloradas zu einer Festung ausgebaut hatte, wurde jedoch im Jahre 1850 - zwei Jahre nach Ende des Krieges - von US-Truppen besetzt. Neben dem Kupfer wurde dann auch noch Gold am Gila River gefunden, und das Gebiet der Apachen wurde regelrecht von Goldsucher überschwemmt.
Mangas Coloradas Besorgnis über diesen Zustand veranlasste ihn im Jahre 1861 in die Goldgräberstadt Pinos Altos zu reiten und mit den dort ansässigen Goldgräbern zu verhandeln. Diese jedoch ergriffen ihn, peitschten ihn aus und jagten ihn in die Wüste hinaus.
Der so gedemütigte Häuptling sann daraufhin auf Rache. Er verbündete sich 1862 mit seinem Schwiegersohn Cochise, dem Häuptling der Chiricahua-Apachen und stellte mit ihm eine Streitmacht von 700 Kriegern auf. Mit diesen Kriegern überfiel er dann am 14. Juli 1862 eine Kavallerie-Truppe unter der Führung von Captain Thomas Roberts. Hier mussten die Indianer aber eine herbe Niederlage hinnehmen, da die US-Truppe zwei Berghaubitzen mitführte, mit dessen Hilfe der Angriff abgewehrt werden konnte. Mangas Coloradas selber wurde in der Brust schwer verletzt. Diese Verletzung sollte aber nach dem Willen Cochies nicht ein Medizinmann heilen, sondern ein berühmter mexikanischer Wunderarzt, der in dem Dorf Janos lebte. So legte er seinen Schwiegervater in eine Hängematte und ritt mit mehreren Kriegern zu diesem Dorf. Dort verlangte er von dem Arzt ihn zu heilen, und befahl: "Mach ihn gesund. Wenn er stirbt, wird diese Stadt sterben". Die Bevölkerung versammelte sich vor dem Haus und betete für das Leben der Rothaut, die sie normalerweise lieber tot sehen würde. Die Operation gelang, und die Indianer verließen die Stadt wieder, ohne auch nur einem Bewohner ein Haar gekrümmt zu haben.
Am 18. Januar 1863 beging Mangas Coloradas dann einen folgenschweren Fehler. Entgegen dem Rat seiner besorgten Krieger, wagte er sich noch einmal in die Goldgräberstadt Pinos Altos, in der er zwei Jahre zuvor so gedemütigt wurde. Er wollte noch vor seinem Tod unbedingt für alle Apachen Frieden schließen. Aber diesmal war es noch schlimmer. Er wurde von General Joseph West festgenommen, der Plünderung angeklagt und eingesperrt. In der Nacht wurde er dann von den Wachen misshandelt und mit ein paar Schüssen aus einem Revolver ermordet. Offiziell wurde dann behauptet, er sei auf der Flucht erschossen worden. Mangas Coloradas war ein überragender Häuptling, der bis zuletzt an das Gute im Menschen geglaubt hatte, der aber wie Black Kettle - Häuptling der Cheyenne - immer wieder enttäuscht wurde.

Quanah Parker oder indianisch Kwaina, wurde um 1847 als Sohn einer weißen Frau namens Cynthia Ann Parker geboren. Diese wurde im Jahre 1836 von seinem Vater Pea Nocona, dem Häuptling der Nokoni-Comanchen, im Alter von neuen Jahren verschleppt. Das junge Mädchen gewöhnte sich schnell an die Lebensweise der Indianer, und im Alter von 19 Jahren heiratete sie Pea Nocona. Quanah war also ein Halbblut. Als am 17. Dezember das Dorf, in dem Quanah lebte, von dem Texas Ranger Captain L. S. Ross und seinen Männern angegriffen wurde, kam sein Vater dabei ums Leben, und seine Mutter wurde gefangen genommen. Sie musste fortan mit ihrer kleinen Tochter Prairie Flower bei ihrem Onkel Isaak Parker leben. Als Prairie Flower im Jahre 1864 erkrankte und starb, nahm sich ihre Mutter das Leben, indem sie sich zu Tode hungerte. Quanah selbst konnte bei dem Überfall fliehen. Er versuchte noch, mit allen ihm zu Verfügung stehenden Mitteln, den Aufenthaltsort seiner Mutter und seiner Schwester ausfindig zu machen, was ihm aber nicht gelang. Daraufhin verließ er die Nokoni und schloss sich den Kwahadi an, einen mächtigen Stamm in Llano Estacado, der zahlreiche Beutezüge in Mexiko und Texas unternahm. Hier wurde er schon bald aufgrund seiner hervorragenden kriegerischen Fähigkeiten zum Häuptling gewählt. Quanah und seine Krieger ließen sich nicht einschüchtern, obwohl der Kommandeur des 4. Kavallerie-Regiment, Colonel Ranald Slidell Mackenzei sie immer wieder in Gefechte verwickelte.
Im Frühjahr 1874 entdeckte Quanah eine große Anzahl von verwesten Büffel, die von weißen Büffeljägern getötet wurden. Am 27. Juni 1874 beteiligte er sich daraufhin zusammen mit Lone Wolf und Satanta an der Schlacht von Adobe Walls, einem Zentrallager der Büffeljäger, in der er zusammen mit über 700 Kiowa, Cheyenne, Arapaho und Comanchen 29 Büffeljäger angriff, die sich aber dank moderner Sharps-Feuerwaffen erfolgreich verteidigen konnten. Jetzt wurde es immer schwieriger den strengen Winter zu überleben. Als dann noch Quanahs Lager von Colonel Mackenzie im Palo Duro Canon entdeckt und angegriffen wurde, und dabei sämtliche Zelte, Vorräte und Pferde vernichtet wurden - die Indianer selber konnten zum größten Teil entkommen - kapitulierte Quanah Parker am 2. Juni 1875 und zog mit seinem Volk in das Reservat bei Fort Sill nach Oklahoma.


Rain in the face
Rain in the face (Regengesicht) oder Ite o Magazu in der Sioux-Sprache, wurde 1835 als Sohn des Medizinmannes Wambli-luta (Roter Adler) am Cheyenne River in Nord-Dakota geboren. Einst hatte man ihm bei einem Messerkampf ins Gesicht geschnitten, wobei das Blut seine Kriegsbemalung verwischte. Daher bekam er den Namen Rain in the face. Schon mit zwanzig Jahren wurde er zum Kriegshäuptling der Hunkpapa-Krieger gewählt. Er nahm an zahlreichen Gefechten gegen die US-Armee teil. So auch am 21. Dezember 1866, als er mit Red Cloud und Crazy Horse eine Abteilung der US-Armee unter der Führung von William Fettermann in eine Falle lockte und diese bis auf den letzten Mann vernichtete. Als die Weißen auf der Suche nach Gold immer tiefer in das Gebiet der Black Hills eindrangen, setzte er sich ihnen gemeinsam mit Gall entgegen. Im Jahre 1874 wurde er auf der Standing-Rock-Agentur von Captain Tom Custer gefangen genommen und im Fort Abraham Lincoln eingesperrt. Custer behandelte seinen Gefangenen nicht besonders gut, er soll ihn sogar mit einer Reitpeitsche misshandelt haben. Rain in the face schwor daraufhin Rache, und einige Zeit später konnte er dann auch mit Hilfe von Sitting Bull aus seinem Verließ fliehen. Am 25. Juni 1876 kämpfte er zusammen mit Sitting Bull und Crazy Horse in der Schlacht am Little Big Horn. Hier konnte er nun seine blutige Rache nehmen, indem er Captain Tom Custer bei diesem Gefecht erschlug. Lange Zeit galt er auch als der Krieger, der den Bruder von Tom Custer, General G. Armstrong Custer, getötet haben soll. Im Jahre 1877 setzte er sich dann zusammen mit Sitting Bull nach Kanada ab, kehrte aber im September 1880 in die USA zurück, wo er sich dem General Nelson A. Miles ergab. Rain in the face starb am 12. September 1905.


Red Cloud
Red Cloud (indianisch Machpiyaluta), Häuptling der Oglala-Sioux, wurde im Jahre 1822 am Platte River im heutigen Nebraska geboren. Bekannt wurde Red Cloud hauptsächlich durch den von ihm organisierten Widerstand gegen die im Indianerland errichteten Forts. Im Jahre 1864 versuchte die US-Regierung zunächst auf friedlichem Wege die Indianer zur Aufgabe ihres Landes, dem Powder-River-Land, zu bewegen. Eine Abordnung, die zu den Dakota geschickt wurde, versprach ihnen Waffen und Munition, sowie landwirtschaftlichen Geräte und Saatgut. Im Gegenzug gaben die Indianer der Regierung die Einwilligung zum Bau einer Eisenbahn in ihrem Gebiet. Obwohl die Eisenbahn jetzt planmäßig gebaut werden konnte, erfüllte die Regierung die vertraglich zugesicherten Gegenleistungen nicht. Daraufhin erfolgten hartnäckige Überfälle der Indianer auf die in diesem Gebiet stationierten US-Truppen. Durch die militärischen Erfolge der Indianer sah sich die Regierung gezwungen, nochmals eine Delegation zu den Dakota zu schicken, um weitere Zugeständnisse zu erhalten.
Durch Bestechung und Erpressung gelang es der Abordnung dann tatsächlich, einige unbedeutende Häuptlinge dazu zu bewegen, ihre Ländereien zu verkaufen, und sogar Straßen, Wege und militärische Befestigungen sollten in den Gebieten gebaut werden dürfen, die den Indianern noch blieben. Da das Land aber Eigentum aller Indianer war, konnten einzelne Häuptlinge aber gar keine Ländereien rechtmäßig verkaufen. Die Verträge waren also ungültig, was der US-Regierung durchaus bewusst war.

Da die angesehenen Häuptlinge die Verträge ablehnten, machte sich im Juni 1866 eine Indianerdelegation unter der Führung von Red Cloud auf den Weg nach Fort Laramie, um neu zu verhandeln. Wiederum versprach die Regierungskommission Waffen und Munition für den Bau von Überlandstraßen und Eisenbahnlinien. Als aber plötzlich mitten in der Verhandlung die Truppen von Colonel Henry Carrington an den Häuptlingen vorbei marschierten und der Colonel erklärte, er sei auf dem Weg ins Powder-River-Land, um dort neue Forts zum Schutz der Bozeman Trail zu errichten, wurde die Verhandlung sofort abgebrochen. Red Cloud war sehr wütend und sagte:
"Der Große Vater schickt uns Geschenke und verlangt neue Straßen. Aber der weiße Häuptling stiehlt mit seinen Soldaten die Straßen, bevor die Indianer ja oder nein sagen!".
Jetzt forderten sie die Räumung von Ford Laramie, sowie der Militärstützpunkte aus ihrem Gebiet. Obwohl Red Cloud in der Folgezeit damit drohte, alle Soldaten in diesem Gebiet zu töten, wurde von Colonel Carrington mitten im Indianerland drei neue Forts errichtete, und zwar Fort Phil Kearny, Ford C. F. Schmith und Fort Reno.
Von nun an verstärkten die Indianer den Widerstand gegen den weißen Mann. Immer mehr Krieger schlossen sich den verbündeten Indianern an. Insbesondere die drei Forts entlang der Bozeman Trail wurden immer härter attackiert. Eines der bekanntesten Kämpfe wird als das Fetterman-Massaker bezeichnet. Am 21. Dezember 1866 vernichtete Crazy Horse mit seinen Stammesbrüdern unter der Führung von Red Cloud den größten Teil der Besatzungstruppen von Fort Phil Kearny unter dem Kommando von Captain Fetterman, der zur Verstärkung Colonel Carrington im Fort eingetroffen war. Fetterman war ein Indianerhasser und prahlte oft damit, dass er mit 80 Mann durch die gesamte Sioux-Nation reiten könne. An diesem Tag wurde ein Trupp Soldaten vor das Fort geschickt, um Holz zu holen. Dabei wurden sie von den Indianern, die das Fort belagerten, angegriffen und eingekesselt.
Als Fetterman mit seiner Truppe den Soldaten zu Hilfe kam, viel er auf einen alten Lockvogel-Trick der Indianer herein, denn entgegen dem strikten Befehl, die Indianer nicht zu verfolgen, tat er es doch, und in einem Tal schnappte die Falle zu. 81 Soldaten starben daraufhin in einem Hagel von 40000 Pfeilen. Als Reaktion auf das am 29. November 1864 durch amerikanische Truppen verübte Sand-Cree-Massaker, verstümmelten die Indianer anschließend die Leichen, weshalb das Gefecht auch als Massaker bezeichnet wurde.
Ein weiteres bekanntes Gefecht fand am 2. August 1867 statt. Hier widerfuhr dem Häuptling Red Cloud jedoch eine erbitterte Niederlage, als die Indianer eine Holzfällertruppe angriffen, die sich hinter einer Wagenburg verschanzt hatte. Obwohl die Indianer in der Überzahl waren, wurden sie von den Gewehrkugeln niedergemäht. Das war möglich, weil die Holzfäller zur damaligen Zeit moderne Mehrladergewehre hatten, sogenannte Springfield-Allen-Gewehre, mit denen eine schnellere Schussfolge möglich war.
Trotz dieser Niederlage, hatte die US-Regierung kein Interesse mehr an einem kostspieligen Indianerkrieg. Die Soldaten hatten die Aufgabe, den Bozeman Trail zu schützen, was ihnen aber nicht gelang, da sie sich vor den ständigen Angriffen der Indianer selber verteidigen mussten. Nachdem im August 1868 die US-Truppen die befestigen Stellungen verließen, setzten die Indianer die verhassten Wahrzeichen der Weißen in Brand. Am 6. November 1868 erschien Red Cloud in Fort Laramie und unterzeichnete einen für ihn zufriedenstellenden Friedensvertrag, nachdem dieser schon zuvor von anderen einflussreichen Häuptlingen unterschrieben wurde. Dann war für ihn die Zeit gekommen, sich nicht mehr an das Kriegsgeschehen zu beteiligen. Dennoch war Red Clouds Beziehung zur US-Regierung gespannt. Außerdem war abzusehen, dass die Regierung die Verträge wieder brechen würden. Es sollten Reservate eingerichtet werden, in denen die Sioux weit ab von ihrem Jagdrevier leben sollten. Jetzt griff Red Cloud auf diplomatische Mittel zurück. Er zog von einer Großstadt zur anderen und klärte die Bevölkerung in Vorträgen und mit flammenden Reden über die Belange seines Volkes auf. Am 6. Juni 1870 wurde er sogar vom US-Präsidenten Ulysses S. Grant empfangen, dem er ohne zu zögern erklärte:
"Der Große Weiße Vater mag zur Kenntnis nehmen, dass alles Gerede über Krieg und Frieden sinnlos ist, solange man uns nicht das Recht zugesteht, zu leben, wie wir es wollen. Nachdem die Weißen alle Friedensverträge stets gebrochen haben, die sie mit uns schlossen, kann man nicht von uns erwarten, dass wir denen, die mit gespaltenen Zungen reden, noch ein Wort glauben. Wir glauben nur noch an Taten".
Red Cloud war ein überzeugter Redner, so überzeugend, dass sogar die Presse für die Indianer Partei ergriff. So schrieb The New York Times:
Wir würden in den Kongressberichten im Globe von einem ganzen Monat umsonst nach einer Rede suchen, die so interessant war wie diejenige, die Red Cloud gestern beim Indian Council vortrug. Diese klare Vorstellung dieses leseunkundigen Wilden, dessen, was er als seine Rechte darstellt, und dessen, was er als Unrecht betrachtet, zeigt deutlich die Notwendigkeit, auf aufrichtige und verständliche Art mit den Führern der eingeborenen "Nationen" zu verhandeln. Der Versuch, die Indianer zu beschwatzen und zu betrügen, als hätten sie keinerlei Intelligenz, muss aufhören, ebenso wie die Politik, sie wie wilde Tiere zu jagen.
Bei der Begegnung mit dem Präsidenten wurde den Häuptlingen aber dann vom Innenminister eröffnet, dass sie ihr Volk in den Agenturen der neuen Reservate führen sollten, was Red Cloud aber wütend zurückwies. Er und die anderen Häuptlinge wollten sofort in ihre Heimat zurückkehren, wurden statt dessen aber zunächst nach New York geschickt, in der Hoffnung, dass sie von der riesigen Stadt und deren Pracht beeindruckt sein würden, was sie aber nicht waren. Red Cloud führte hier ebenfalls eine überzeugende Rede, die großes Aufsehen erregte.
Unter dem Druck der Öffentlichkeit gab die Regierung schließlich nach und schloss einige Kompromisse mit Red Cloud. So wurde 1871 u. a. für ihn und sein Volk 50 Kilometer von Fort Laramie entfernt eine eigene Agentur eingerichtet, die Red-Cloud-Agentur. Aber nicht alle Oglala folgten ihm in die neue Agentur. Einige misstrauten ihm und warfen ihm vor, sich den Weißen verkauft zu haben. Sie schlossen sich Sitting Bull und Crazy Horse an, der nach der Niederlage beim Wagenburg-Gefecht schon längst eine andere Auffassung der Kriegsführung hatte. Und tatsächlich war Red Cloud mittlerweile davon überzeugt, dass sein Volk nicht mehr gewinnen konnte.
Red Cloud galt dennoch als der fähigste militärische und politische Führer der Indianer. Er war ein außergewöhnlicher Diplomat und großer Patriot. Red Cloud starb am 10. Dezember 1909 im hohen Alter von 87 Jahren im Pine-Ridge-Reservat in Süd-Dakota.


Roman Nose
Roman Nose oder auch Woquini wurde um 1850 geboren und war ein bekannter Krieger der südlichen Cheyenne. Als erbittertster Gegner der Weißen verließ er seine Heimat zwischen dem Smoky Hill und dem Republican River, und zog nach Norden ins Powder-River-Land. Dort schloss er sich dem Häuptling Red Cloud an, und beteiligte sich an verschiedene Kämpfe im "Red Cloud Krieg". So überfiel er beispielsweise im Juli 1865 eine Wagenkolonne am North Platte River und vernichtete den Begleitschutz bis auf den letzten Mann. Später zog es ihn jedoch wieder in seine Heimat zum Smoky Hill. Da am 14. April 1867 das Lager von Roman Nose von der US-Armee angegriffen wurde, weigerte er sich am 21. Oktober 1867 den Vertrag von Medicine Lodge Creek zu unterzeichnen.
Am 17. September 1868 stand Roman Nose mit seinen Kriegern auf einen Hügel am Arikaree River und beobachtete von dort aus einen Trupp Soldaten unter der Führung von Oberst G. A. Forsyth. Diese hatten nach einem zuvor geführten Gefecht mit Roman Nose auf eine Sandinsel im Fluss Schutz gesucht, wobei sie die getöteten Pferde als Deckung benutzten. Als die indianischen Krieger dann zum Angriff übergingen, konnten sich die Soldaten dank der damals modernen Spencer-Repetiergewehre erfolgreich verteidigen. Roman Nose wurde dabei so schwer verwundet, dass er noch in der selben Nacht an seinen Verletzungen verstarb.

Satank
Satank, auch Sitting Bear genannt, wurde um 1810 geboren. Schon früh wurde er zum Häuptling der Kiowa gewählt. Im Jahre 1840 spielte er bei den Friedensverhandlungen zwischen den Comanchen, den Kiowas, den Kiowa-Apachen, den Cheyenne und den Arapahoes eine bedeutende Rolle. Hier wurde der "Große Frieden" zwischen den südlichen und nördlichen Stämmen beschlossen, um den Widerstand gegen den weißen Mann, der immer tiefer in das Land vorstieß, zu erhöhen. Dieser Widerstand vermochte aber nicht die Besetzung des Landes zu verhindern. Deshalb unterzeichnete Satank zusammen mit anderen großen Häuptlinge am 21. Oktober 1867 den Vertrag von Medicine Lodge Creek, den die Weißen aber schon bald brachen. Als sein Sohn 1870 getötet wurde, beteiligte sich Satank 1871 zusammen mit Satanta an mehrere Überfälle. Daraufhin wurden beide verhaftet und unter Mordanklage gestellt.
Während des Transportes ins Gefängnis nach Texas, konnte Satank sich befreien, und stach dabei einen seiner Bewacher nieder. Bei der Flucht wurde er jedoch im Kugelhagel tödlich getroffen.


Satanta
Satanta oder White Bear, um 1830 geboren, war ein bedeutender Kriegshäuptling der Kiowa. Er war ein hünenhafter und energiegeladener Mann, und stets heiter und gesellig. Satanta hatte einen kleinen "Rot-Tick". Bei wichtigen Anlässen, bei Verhandlungen oder im Gefecht, bemalte er seinen ganzen Körper mit roter Farbe. Auch sein Tipi hatte er rot angestrichen. Obwohl Satanta sich stets bemühte mit den Weißen auszukommen, schreckte er nicht davor zurück, gegen sie zu kämpfen. Bei den Friedensgesprächen von Medicine-Lodge-Creek am 21. Oktober 1867 beeindruckte er durch seine Redegewandtheit die Friedenskommissare so sehr, dass man ihm den Titel "Redner der Plains" übertrug. Dennoch unterzeichnete er den ihm dort vorgelegten Vertrag, der aber schon bald von den Weißen wieder gebrochen wurde. Aus diesem Grund verließ er schon bald das ihm zugewiesene Reservat. Am 17. Mai 1871 überfielen er und seine Krieger dann am Butterfield Trail zwischen den Forts Richardson und Belknap einen Vorratszug von zehn Wagen. Dabei töteten sie alle Männer und raubten ihnen alle Ausrüstungsgegenstände, wie Zelte, Gewehre und Maultiere. Zuvor durchritten eine Kolonne Soldaten unter der Führung von General William Sherman dieses Gebiet. Obwohl Satanta auch diese Kolonne hätte angreifen können, tat er es nicht, da ihm sein Medizinmann aufgrund einer Vision davon abriet.
Als bekannt wurde, dass Satanta für diesen Überfall verantwortlich war, ließ General Sherman ihn kurzerhand verhaften. Er wurde ins Staatsgefängnis von Huntsville gebracht, jedoch im Jahre 1873 wieder freigelassen. Am 27. Juni 1874 beteiligte er sich dann an der Schlacht bei Adobe Walls, in der er zusammen mit über 700 Comanchen, Kiowa, Cheyenne und Arapaho 29 Büffeljäger angriff, die sich aber dank moderner Feuerwaffen erfolgreich verteidigen konnten. Daraufhin wurde Satanta ein zweites mal eingesperrt. Am 11. Oktober 1878 beging er durch einen Sprung von einem oberen Stockwerk des Gefängnishospitals Selbstmord.

Sitting Bull
Sitting Bull, sein indianischer Name war Tatanka Yotanka, wurde irgendwann im Jahre 1831 am Grand River in South Dakota geboren. Warum er diesen Namen trug, ist nicht ganz klar. Die direkte Übersetzung "sitzender Büffel" soll jedoch falsch sein. So soll die richtige Übersetzung aussagen "Ein Büffel, der ständig unter uns weilt". Andererseits gibt es eine Geschichte, nach der er - sein damaliger Name war Hakada - im Alter von 10 Jahren zusammen mit seinem Onkel Wambli-luta und seinem Vetter Ite-o-Magazu auf der Jagd nach einem Büffel war. Als dieser plötzlich auf seinen Vetter zurannte, stieß Hakada ihm seine Lanze in die Seite. Dann knickten die Hinterbeine des Büffels ein, und das Tier saß daraufhin in einer eigenartig sitzenden Stellung, in der es auch verendete. In Erinnerung an diesen sitzenden Büffel den Hakada erlegt hatte, sollte er nun Tatanka Yotanka (Sitting Bull) heißen. Als der Vater von Sitting Bull starb, wurde er von seinem Onkel Wambli-luta aufgezogen. Dieser lehrte ihm die Kunst des Kampfes, der Medizin und die Deutung von Visionen. Aber es dauerte nicht lange, da starb auch Wambli-luta an einem Herzschlag. Nun musste Sitting Bull als Jugendlicher die Aufgabe des Medizinmannes übernehmen. Sechs Jahre später wurde er zum Häuptling der Hunkpapa-Sioux gewählt. Zwischen den Jahren 1869 und 1876 führte Sitting Bull Krieg gegen den weißen Feind. Als 1872 in den Black Hills im Sioux-Gebiet Goldvorkommen entdeckt wurden, und das Land von Goldgräbern überflutet wurde, organisierte er den indianischen Widerstand.

Nachdem die Regierung zunächst versucht hatte, den Indianern das Land abzukaufen, wurden am 9. Dezember 1875 alle außerhalb des Reservats lebenden Indianer aufgefordert, sich bis zum 31. Januar 1876 bei den Agenturen einzufinden, um sich dort ihre Reservate zuweisen zu lassen. Daraufhin gründete Sitting Bull eine Allianz von verschiedenen Indianerstämmen. Im Juni 1876 versammelten sich die Hunkpapas, Teton-Sioux, Arapahoes und Cheyenne im Rosebud Tal zu einem Sonnentanz. Hier entstand die stärkste Kriegsmacht, die jemals unter der Führung eines Häuptlings vereinigt wurde. Und am 25. Juni 1876 kam es dann zur bekanntesten Schlacht zwischen den Indianern und der US-Armee: Die Schlacht am Little Big Horn, bei der die US-Armee unter der Führung von General Custer eine erbitterte Niederlage hinnehmen musste.
Anschließend zerstreuten sich die einzelnen Indianerstämme in alle Winde. Sitting Bull floh am 22. April 1877 nach Kanada, nachdem er einen für die Armee bestimmten Verpflegungs- und Munitionszug ausgeraubt hatte. Erst vier Jahre später, am 20. Juli 1881, kam er, nachdem die USA eine Amnestie angekündigt hatte, in seine Heimat zurück und ergab sich in Fort Buford. In Fort Randall saß er nun für zwei Jahre im Gefängnis. Anschließend war er dann für weitere zwei Jahre die Hauptattraktion in Buffalo Bills Wild-West-Show. Danach lebte er im Standing Rock Reservat. Hier beteiligte er sich an der Geistertanzbewegung, da er sich mit der Niederlage und Demütigung nicht abfinden konnte. Bei dieser Bewegung handelt es sich um eine Zeremonie, die im Jahre 1889 im westlichen Nevada entfacht wurde, und sich wie ein Lauffeuer unter den Reservaten verbreitete. Jede Nacht erdröhnten die Trommeln und die Indianer tanzten sich nach einem gleichmäßigen Rhythmus in Trance. Die Amerikaner sahen dies als politischen und religiösen Protest an und befürchteten einen neuen Aufstand.
Als Sitting Bull aufgefordert wurde, den Geistertanz im Standing Rock Reservat zu verbieten, machte er sich über die übertriebene Sorge der Weißen nur lustig. Das bestärkte diese aber in der Annahme, dass Sitting Bull der Kopf der Bewegung sei. Als dieser daraufhin verhaftet werden sollte, wurde er am 15. Dezember 1890 von dem Indianer-Sergeant Red Tomahawk in einem Handgemenge erschossen.


Spotted Tail
Spotted Tail oder Sinte Galeska (Gefleckter Schweif) wurde um 1823 geboren und war ein bedeutender Häuptling der Brulé-Sioux. Seinen Namen verdankte er einem Trapper, der ihm einen Waschbärenschwanz schenkte, den Spotted Tail von da an immer als Kopfschmuck trug. Seine größte Zeit als Krieger hatte er in den Jahren 1835 bis 1855. In dieser Zeit soll er ca. 100 Skalps erbeutet haben. Als eine Truppe der US-Armee im Jahre 1855 das Dorf von Spotted Tail überfiel, wurde er gefangen genommen. Ein Jahr lang wurde er in Fort Leavenworth und Fort Kearney eingesperrt. Während dieser Zeit wurde ihm bewusst, dass ein Krieg gegen die Weißen aussichtslos war. Von da an nahm er im Indianerkrieg an keiner Kampfhandlung mehr teil, bis auf einer Ausnahme: Im Jahre 1865 beteiligte er sich an dem Überfall auf Julesburg, der als einer von vielen Racheakten nach dem Sand-Creek-Massaker verübt wurde. 1868 war er dann einer von den Häuptlingen, die den Friedensvertrag von Fort Laramie unterzeichneten. Aus dem Reservat heraus, in dem er und sein Volk nach einigem Zögern einzogen, unternahm er mehrere Delegationsreisen nach Washington. Im Jahre 1876 wurde er von General Crook zum Oberhäuptling der Red-Cloud- und Spotted Tail Agentur ernannt. General Crook war es auch, der ihn darum bat, Crazy Horse zu suchen, um ihn zur Kapitulation zu überreden. Spotted Tail sah Crazy Horse nicht als Freiheitskämpfer, sondern als Unruhestifter, der die Sioux nur ins Unglück gestürzt hatte.
Er wurde auch für seine Dienste von der US-Regierung großzügig belohnt, was ihn innerhalb der Sioux-Stämme ins Zwielicht brachte. Nachdem er von der Regierung sogar ein kleines Haus geschenkt bekam, wurde er am 5. August 1881 von seinem Unterhäuptling Crow Dog (Krähenhund) erschossen.

Tecumseh
Tecumseh wurde im Jahre 1768 im Dorf Old Piqua am Mad River geboren. Als junger Mann beteiligte er sich an einer Schlacht gegen 1400 Soldaten, die unter der Führung von General Arthur St. Clair in das Ohio-Tal vorgedrungen waren. Der damalige Häuptling Little Turtle zeigte ihm, wie man mit einer Allianz, bestehend aus verschiedenen Stämmen, auch eine solche Macht wie die US-Armee besiegen kann. Neunhundert US-Soldaten mussten bei dieser Schlacht ihr Leben lassen. Seit diesem Tag war Tecumseh davon überzeugt, dass man den weißen Eindringlingen nur durch die Vereinigung mehrerer Stämme entgegentreten kann. Nachdem Tecumseh zum Häuptling seinen Stammes aufgestiegen war, begannen seine Bemühungen um ein Bündnis möglichst vieler Indianerstämme gegen die Weißen. Sein Ziel war es, gegen die weiße Union einen "Indianische Union" zu schaffen. Sieben Jahre lang durchreiste er das Gebiet zwischen der kanadischen Grenze und dem Golf von Mexiko. Er traf sich mit unzähligen Indianerstämmen, um diese für seinen Plan zu gewinnen. So gelang ihm z. B. die Vereinigung der Shawnee, Miami, Delawaren Chippewas und Potawatomis. Als er aber im Frühjahr des Jahres 1811 auch die Stämme des Südosten (Cherokee, Chickasaws, Choctaws, Creek und Seminolen) von seinem Plan überzeugen wollte, scheiterte er an dem Einspruch von Pushmatahas, dem Häuptling der Choctaws und Chickasaws, da sich dieser gegen eine gewalttätige Auseinandersetzung mit den Weißen aussprach.
Als wenn das Übel dieser Absage nicht schon groß genug gewesen wäre, gab es während seiner Abwesenheit ein weiteres negatives Ereignis in seinem Heimatland. Tecumseh hatte seinen Zwillingsbruder Tenskwatawa als Stellvertreter zurückgelassen. Tenskwatawa war ein Medizinmann und Prophet, der zwar von Teumsehs Plan überzeugt war, dessen Verwirklichung aber nach seiner Ansicht nur durch Zauber und einer übernatürlichen Macht möglich sein würde. Als nun am 7. November 1811 die amerikanische Armee unter der Führung von General Jusiah Harrison in Tecumsehs Heimat eindrang, führte Tenskwatawa einen Teil von Tecumsehs Streitmacht viel zu früh und unvorbereitete in die Schlacht, und das gegen der strickten Anweisung seines Bruders. Er war davon überzeugt, dass eine höhere Macht für den Sieg der Indianer sorgen würde. Und so kam was kommen musste. General Harrison schlug die indianische Streitmacht auf der ganzen Linie, vernichtete anschließend das gesamte Waffenarsenal, und legte die Hauptstadt Teppecanoe in Schutt und Asche.
Nach dieser Niederlage lösten sich viele Stämme von dem Bündnis, und die Arbeit von mehreren Jahren war durch die unverantwortliche Tat seines fanatischen Bruders umsonst gewesen. Tecumseh floh daraufhin nach Kanada, und kämpfte dort im englisch-amerikanischen Krieg auf der Seite der Engländer. Hier wurde er wegen seiner taktischen Fähigkeiten zum Brigadegeneral befördert.
Am 5. Oktober 1813 ging er in sein letztes Gefecht, bei dem er auf dem Schlachtfeld als einfacher indianischer Krieger fiel. Tecumseh war der einzige Häuptling in der indianischen Geschichte, dem es gelang, so viele Indianerstämme zu vereinigen. Hätte sein Bruder nicht so unverantwortlich gehandelt, und hätten sich die Indianerstämme des Südosten an dem Bündnis beteiligt, wäre die amerikanische Geschichte vielleicht ganz anders abgelaufen.


Victorio
Victorio wurde um 1825 geboren und war Häuptling und Kriegsanführer der Warm Spring Apachen. Wie Mangas Coloradas, wollte er friedlich mit den Amerikanern zusammen leben. Nachdem Mangas Coloradas aber von den Weißen ermordet wurde, organisierte er den bewaffneten Widerstand gegen die Amerikaner. Obwohl Victorio sich dann bereits 1865 bereit erklärt hatte, Frieden zu schließen, weigerte er sich, mit seinem Volk in ein Reservat zu ziehen. Statt dessen führte er weiterhin einen Guerillakrieg gegen Siedler und Goldgräber. Erst 1877 war er bereit, sich und seine Leute in das San-Carlos-Reservat bringen zu lassen. Dieses Reservat erwies sich allerdings als eine trockene und höllische Einöde, wo die Indianer von den Soldaten drangsaliert wurden, und es immer an Nahrung fehlte. So beschloss er, sich mit 80 Anhängern aus diesem Reservat abzusetzen. Es folgten wieder einige Gefechte und Überfälle auf Siedler und Goldgräber. Nach einem strengen Winter, den die Indianer in den Mimbres Mountains verbracht hatten, ergaben sie sich schließlich im Frühjahr 1879. Sie erhielten daraufhin die Erlaubnis, sich in New Mexico anzusiedeln. Hier wurde gegen Victorio dann im Sommer 1879 eine alte Anklage wegen Pferdediebstahls und Mordes erhoben, worauf er abermals mit seinen Anhängern die Flucht ergriff. Diesmal beschloss er, niemals wieder in ein Reservat zu gehen. Er richtete sich auf mexikanischem Gebiet auf einen Guerillakrieg gegen die US-Regierung ein. 15 Monate gelang es ihm, sich den amerikanischen Truppen zu widersetzten. Dann, am 14. Oktober 1880, wurde sein Lager von mexikanischen Truppen gefunden. Bei dem folgenden Feuergefecht wehrten sich die Krieger mit dem Mut der Verzweiflung, bis ihnen die Munition ausging. Dabei wurde Victorio und 77 seiner Krieger tödlich getroffen. Offiziell heißt es allerdings, er soll sich selber erschossen haben.


Washakie
Washakie wurde im Bitterroot Valley in Montana geboren. Sein Vater kam vom Stamm der Flathead-Indianer, während seine Mutter zum Stamm der Shoshonen gehörte. Sie nannten ihn als Kind Pina Quanah, was so viel wie "Zuckerduft" bedeutet. Als Pina noch ein Kind war, wurde sein Vater bei einem Überfall der Siksika getötet. Seine Mutter flüchtete daraufhin mit ihm und seinen vier Geschwistern zu den Lemhi, einem östlichen Stamm der Shoshonen. Als er dort seinen ersten Büffel erlegte, zog er dessen Fell vom Schädel ab und baute daraus eine Rassel. Im Gefecht versetzte er dann mit dieser Rassel die Pferde seiner Feinde in Panik. Von da an nannte man ihn Washahie (Rohleder-Rassler). Seine Feinde hingegen nannten ihn Narbengesicht, da er eine große Narbe unter dem linken Auge besaß, die er sich durch einen Pfeil eines Siksika-Kriegers zugezogen hatte. Als junger Mann war Washakie ein Krieger, der in unzählige blutige Kämpfe mit den Siksika und den Absaroke verwickelt war. Bei diesen Kämpfen handelte es sich übrigens ausschließlich um Auseinandersetzungen mit feindlichen Indianerstämmen, nicht aber mit den Weißen. Mit diesen lebten der Stamm der Shoshonen von Anfang an in Frieden. Viele Jahre später, bereute er jedoch manchmal seine unnötigen Taten: "Als junger Mann genoss ich den Kampf. Manchmal, wenn mein Stamm in Frieden lebte, wanderte ich alleine los, und suchte mir Feinde. Ich schäme mich, von diesen Jahren zu sprechen, denn ich habe eine große Zahl von Indianern getötet." Als im Jahre 1848 der Oberhäuptling der östlichen Shoshonen starb, wurde Washakie als Nachfolger gewählt. Er setzte nun die freundschaftlichen Beziehungen mit den Weißen fort.
In der Mitte des 19. Jahrhunderts zogen immer mehr Auswanderer auf dem Weg nach Oregon und Kalifornien durch das Shoshonen-Gebiet. Das bedeutete für die Indianer eine immer größere Bedrohung für ihre Jagdgründe. Die Anzahl der Büffel, Biber und Fische wurde mehr und mehr verringert. Dennoch hatte Washakie nicht die Absicht, diese Trecks anzugreifen. Im Gegenteil, seine jungen und teilweise aufsässigen Krieger hielt er mit harter Hand davon ab, die Weißen zu überfallen. So halfen die Shoshonen-Krieger sogar den Auswanderern bei der Durchquerung ihres Landes, indem sie diese vor den Überfällen feindlicher Indianer beschützten. Washakie wusste, dass er einen Krieg gegen die Amerikaner nie gewinnen würde. Außerdem wurde der Shoshonen-Stamm schon immer von feindlichen Indianerstämmen wie die Lakota, den Dsitsita und den Inunalna bedroht. Daher war der Stamm auch vom Handel mit Trappern und weißen Geschäftsleuten abhängig, weil er dadurch auch in den Besitz von Waffen gelangte, mit dessen Hilfe er sich verteidigen konnte. Aber immer mehr weiße Siedler und Auswanderer drangen in das Shoshonen-Gebiet ein. 1859 wurde auch noch eine neue Strecke eröffnet, die sogenannte Lander Road. Diese Strecke führte jetzt mitten durchs Jagdgebiet der Shoshonen. Trotz der ungewöhnlichen Strenge von Washakie und seinem Befehl, die Weißen nicht anzugreifen, wollten einige junge Männer nicht mehr gehorchen. Sie verbündeten sich mit den aufsässigen Stämmen, die 1862 einen offenen Krieg gegen Siedler und Planwagentrecks führten. Dieser Aufstand wurde jedoch im Sommer des Jahres 1863 niedergeschlagen und Washakie sorgte dafür, dass es zu Friedensverhandlungen kam. 1868 wurden ihm und seinem Volk von der US-Regierung das Wind-River-Tal in Wyoming zuerkannt, dass er für sich schon seit langer Zeit gefordert hatte. Bei der Unterzeichnung des Vertrages von Fort Bridger sagte er: " Ich lache, weil ich glücklich bin, denn mein Herz ist zufrieden." Die Lakota-, Dsitsita- und Inunaina-Krieger hinderten die Shoshonen jedoch daran, in ihr Gebiet zu ziehen. So konnten sie sich erst vier Jahre später mit Hilfe der US-Armee in ihrem Land niederlassen.
Im Jahre 1876 benötigte General George Crook die Hilfe der Shoshonen gegen die rebellischen Sioux, die unter der Führung von Sitting Bull und Cracy Horse standen. Washakie zögerte nicht lange, denn er hatte noch eine alte Rechnung mit den Sioux offen, da diese seinen ältesten Sohn in einem Gefecht getötet hatten.