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Der Adlertanz

Der Adler war eine Art heiliges Wappentier für fast alle Indianer. In zahlreichen symbolischen Tänzen, Riten und Zeremonien wurde dies ausgedrückt. Der Adler galt als Symbol der Unantastbarkeit, Glücksbringer neben anderen Tieren und Bote der Gottheit. Er stand und steht noch heute in der Dreiheit Himmel-Adler-Mann.

  
Ballspieltanz

Am Vortag des Lacrosse-Spieles wurde der Ballspieltanz aufgeführt, an dem die Spieler und ihre Angehörigen teilnahmen. Auf dem vorbereiteten Spielfeld versammelten sich in einzelnen Gruppen die Spieler und die Frauen und sangen zum Rhythmus der Trommeln. Um ein kleines Feuer saßen vier Schamanen, die die Funktion des Schiedsrichters übernommen hatten und beschworen für das Spiel die Gunst der göttlichen Allmacht. Diese Zeremonie fand in voller Harmonie statt.

 
Bärentanz

Der Bärentanz war ein Ritual der Siouxstämme, der zur Vorbereitung auf die Jagd nach dem Grizzly diente. Da bei diesem Vorhaben ein Kampf auf Leben oder Tod bevorstand, ist es schnell zu begreifen das ein jeder Krieger der an dieser Jagd teilnahm, sich den Schutz übernatürlicher Kräfte einholte. Vom Trommelklang und Gesang begleitet, ahmten die Tänzer die Bewegungen des Bären nach. Der Schamane war bei diesem Tanz der religiöse Führer, der als einziger ein ganzes Bärenfell trug. Alle anderen Tänzer trugen nur eine Bärenmaske und waren am ganzen Körper bunt bemalt. Die Frauen stimmten zum Ende des Tanzes ein lautes Geheul an, nach dem im Anschluß das große Wagnis begann.

 
Berggeisttanz

Der Berggeisttanz war ein ritueller Tanz der Apachen. Man trug zu ihm eine weiche, schwarze mit Augenschlitzen versehene Maske, an der senkrecht aufragende Holzstäbchen befestigt waren, die verschiedenartige Muster aufwiesen. Die Maske wurde am Hals mit einer hellen Schnur zusammengebunden. Der Oberkörper eines Chiricahua-Tänzers war nackt und mit schwarzen, zickzackähnlichen Symbolen bemalt. Der Tänzer hielt in beiden Händen einen aus dunklem Holz gefertigten und bemalten Kurzschwert. Zu Ehren der Berggeister wurde dieser Tanz abgehalten. Man tanzte dazu um ein hell loderndes Feuer und vollführte feierliche und dem Tanz angemessene Bewegungen. Rohhauttrommeln, Roßhaarfiedeln und Knochenpfeifen begleiteten ihn, wozu der Schamane einen schrillen Gesang anstimmte.

 
Büffeltanz

 Dieser Tanz war eine heilige Handlung der Prärie-Indianer, die dazu diente, die Büffelherden möglichst nahe an das Dorf zu locken. Wenn die Jäger keine Beute nach Hause brachten, wurde der Häuptling und der Schamane davon in Kenntnis gesetzt und die Ratsversammlung einberufen, die dann zum Büffeltanz aufrief. Sogenannte Läufer verbreiteten die Anordnung im ganzen Dorf und kurze Zeit später wurde der zeremonielle Tanz aufgeführt. Eine Gruppe von 10 bis 15 Männer kam dazu in der Dorfmitte zusammen. Die Tänzer trugen als Kopfbedeckung einen Büffelkopf mit Hörnern und hielten ihre Lieblingswaffen für die Jagd in der Hand. Begleitet wurde der Tanz von Trommeln, Rasseln, Liedern und schrillen Schreien. Wenn ein Tänzer ermüdete, wurde er durch einen Zuschauer ersetzt, der ebenfalls mit seiner Masken und mit Waffen den Tanz fortsetzte. Man tanzte den Büffeltanz Tag und Nacht ohne Unterbrechung bis das gewünschte Ereignis eintraf. Rund um das Dorf waren auf Hügeln Späher verteilt, die das Nahen einer Herde dem Dorf sofort meldeten. Traf das Ereignis ein, wurden zu Ehren des Schamanen, der Tänzer und des Großen Geistes Dankesrufe laut. Nach erfolgreicher Jagd opferte man dem Großen Geist die besten Stücke und danach erfolgte eine große Feier mit entsprechenden Trinkgelage.

 
Busk - Grün-Mais-Tanz der Creeks

Alljährlich fand bei den Creeks das Grün-Mais-Fest statt. Es handelte sich hierbei um eine Reinigungs-Zeremonie, die 4 - 8 Tage dauerte. Man nahm starke Abführ- und Brechmittel, um den Körper zu entschlacken. Das "Windrichtungsfeuer" des vorjährigen Festes, das ein Jahr lang ununterbrochen gebrannt hatte, wurde gelöscht und ein neues aus vier Stämmen, die in die Himmelsrichtungen wiesen, entzündet. Alle größeren Gebrauchsgüter, wie Möbel, Wäsche, Kleidung etc. wurden verbrannt und neu hergestellt. Alle Sünden wurden gegenseitig vergeben. Nach dieser Zeremonie der "Erneuerung" begann man das neue Jahr moralisch und körperlich gestärkt. Auf diese Weise wurde bei den Creeks verhindert, dass persönlicher Besitz angesammelt werden konnte.

 
Calumet-Tanz

Der Calumet-Tanz war der Tanz der Friedenspfeife. Er war bei den Stämmen der Atlantikküste, im Gebiet der Großen Seen und in den Prärien verbreitet. Dieser Tanz war eine der heiligsten Zeremonien, die nur bei wichtigen Anlässen aufgeführt wurde. Solche Anlässe waren z. B. die Friedenserhaltung, um Gäste oder Fremde zu ehren, bei großen Festen oder um sich gegen einen gemeinsamen Feind zuvereinigen. Bis der Tanz aufgeführt wurde, vergingen einige Tage der Vorbereitung. Vor Beginn des Tanzes stellten sich die Tänzer auf die ehrenvollsten Plätze. Nur die Frauen und Männer mit den besten Stimmen sangen zu dieser Zeremonie. Am Anfang wurde Manitou begrüßt. Dazu wurde der eingezogene Rauch der Friedenspfeife auf eine ganz besondere Weise ausgeblasen. Die Tänzer nahmen die Pfeife respektvoll in beide Hände und bewegten sich im Takt des Gesanges und vollführten verschiedene Figuren. Die Pfeife wurde dabei der Sonne entgegen gestreckt, zur Mutter Erde gerichtet, die am Calumet befestigten Federn wurden bewegt oder einem Zuschauer an den Mund zum Rauchen gehalten. Dieser Szene folgte ein Scheingefecht mit Trommelbegleitung und einigen Gesangseinlagen. Dazu wurde der Angriff wie auch die Flucht immer im Wechsel dargestellt. Im dritten Teil des Calumet-Tanzes kam es zu einem rituellen Zwiegespräch zwischen Pfeifenträger und dessen Partner. Dabei wurden die ruhmvollen Taten des Tänzers aufgezählt. Im Anschluß erhielt der Haupttänzer ein Geschenk, der daraufhin die Friedenspfeife durch die Reihen der Anwesenden reichen ließ und ein jeder einige Züge machte. Am Ende der feierlichen Zeremonie überreichte der Oberhäuptling den Gästen das Calumet als Symbol des ewigen Friedens. Ein Lied beendete den Tanz.

 
Chipá Kikwaio

Der Chipá Kikwaio ist bei den Potawatomi das Totenfest. Man ehrte einst die Fische mit Opfergaben. Im Traum erschien den Feiernden eine Forelle, welche bekannt gab, dass der Clan der Fische der einflußreichste und zugleich der größte des Stammes werden würde.

 
Crowntanz

Der Crown-Tanz (= Kronen-Tanz) wurde von den Mescalero-Apachen aufgeführt. Er hatte ungefähr die gleiche Bedeutung wie der Berggeisttanz der Chiricahua und der anderen Apachen-Stämme. Auch bei diesem Ritual trugen die Tänzer Ledermasken, die allerdings weiße bzw. schwarze Farbe aufwiesen. Die Maske war mit einer schwarzen Lederschnur, die über die Nase zum Hinterkopf verlief, festgebunden. Es gab zwei Typen dieser Masken: Sie besaßen beide einem fußhohen Aufbau, der entweder aus einer fächerförmigen Krone aus zusammengebundenen Holzstäbchen oder aus zwei breiten und einem schmalen Brettchen, die an einem senkrecht aufragenden länglichen Schild so befestigt waren, dass sie einem Wegweiser glichen, bestanden. Diese Aufbauten waren mit Symbolen und Zeichen verziert und gaben dem Tänzer eine entsprechende Bedeutung. Der Oberkörper der Tänzer war nackt und auch er war mit verschiedenen Zeichen und Symbolen der Apachen-Mythologie bemalt. Dargestellt wurde z. B. die Sonne, die Halb- ober Sichelform des Mondes, der Blitz, das Kreuz oder auch Tiere. Die Lendenschurze, die man für diese Zeremonie anlegte, waren reich verziert und waren wie die kniehohen Mokassins, die man auch extra für diesen Tanz anfertigte, aus gelbgefärbten Wildleder gearbeitet. Auch hier hielten die Tänzer Holzschwerte in der Hand, die mit Punktmustern versehen waren.

 
Feuertanz

Der Feuertanz ist eine Zeremonie der Navaho, die im Winter stattfand - zu einer Zeit wo immer noch Gewitter auftreten konnten oder zu einem Zeitpunkt, zudem immer noch der Tod durch Schlangenbisse nicht völlig gebannt war. Den Namen hatte die Zeremonie erhalten, vom Ort, wo die Götter wohnen, die man bei diesem Ritual verehrte. Der Feuertanz wurde am neunten Tag der Zeremonie getanzt. Dazu wurde ein Corral aus immergrünen Zweigen errichtet. Der Schamane vollführte einige Zaubertricks, dann zeigten die mit weißen Lehm bemalten Feuertänzer ihren Tanz. Sie hielten während des Rituals Fackeln aus Zedernrinde in den Händen, springen über und in das Feuer und berühren mit der Fackel die Mittänzer. Als Schutzzauber nahmen die Zuschauer verkohltes Zedernholz aus das Feuer mit.

 
Flötentanz oder  (Das heilige Fest der Flöten) bei den Hopi

Die Hopi feierten alle zwei Jahre das heilige Fest der Flöten. Es wurde in den Bergen des US-Bundesstaates Arizona veranstaltet, bei dem man um Regen und Wohlstand betete. Die meisten Indianervölker glaubten an spirituelle Kräfte als Quelle allen Lebens. Sie verehrten dabei keinen allmächtigen Gott, sondern das Übernatürliche, was in allen Dingen ihrer Meinung nach vorhanden ist.

 
Gib-weg-Tanz

Der Gib-weg-Tanz war ein Ritual der Comanchen. Er wurde nach der ersten glücklichen Heimkehr eines jungen Kriegers von einem Kriegszug von seinem Vater veranstaltet. Bei diesem Tanz wurde der bewegliche Besitz der Familie um den Hals gehängt und jeder der anderen Tänzer konnte sich nach altem Brauch sich das nehmen was er wollte und behalten. Eine Familie konnte dabei ihren gesamten Besitz verlieren, aber was zählte dieser für die Taten des einzelnen. Durch diesen Tanz wurde der junge Krieger vom Stamm respektiert und er selbst gelobte gegenüber dem Stamm loyal zu sein und sich durch Tapferkeit, Gastfreundlichkeit wie auch Ehrlichkeit auszuzeichnen.


Geistertanz

Der Geistertanz war ein religiöser Krisenkult der US-amerikanischen Ureinwohner („Indianer“) der 1860er bis 1890er Jahre. Er trat in zwei Schüben auf und führte indirekt zum Massaker von Wounded Knee.
Er steht in der spirituellen und schamanistischen Tradition der nordamerikanischen Ureinwohner und stellt ein letztes, weitgehend friedliches Aufbäumen der Besiegten gegen die Unterwerfung und Zerstörung der indianischen Lebensgrundlagen und Stammeskultur innerhalb der USA dar. Der Geistertanz war nur eine von vielen, letztlich erfolglosen Restaurationsbemühungen, erreichte aber die größte Popularität und gilt deshalb heute in der allgemeinen Wahrnehmung irrtümlich als fester Bestandteil der indianischen Religion und Kultur.

 

Erster Geistertanz

In den 1860er Jahren erlebte der als Seher und Prophet geltende Wodziwob - ein Mitglied des im heutigen Bundesstaat Nevada beheimateten Stammes der Paviotso - ein spirituelles Trance-Erlebnis. In diesem Zustand hatte er eine Vision, in der ihm prophezeit wurde, die alten Zeiten und mit ihnen die indianische Lebensweise würden zurückkehren. Die Ahnen (die „Geister“) versprachen ihm, sie würden wiederkehren und die Erde würde sich in ein Paradies verwandeln. Die weißen Eroberer sollten verschwinden.
Als zentrales Mittel für dieses Ziel galt der zeremonielle Geistertanz. Hierbei wurde ein Kreis aus Männern und Frauen formiert, bei denen sich die Beteiligten an den Händen hielten und zum stetigen Schlag der Trommeln die vorgeschriebenen Geistertanzlieder, eine Folge von monotonen Beschwörungen, intonierten. Durch die gleichzeitige Seitwärts-Bewegung wurde der Kreis in Bewegung versetzt. Hieraus resultiert der in spiritueller Tradition der Beschwörung durch tagelange rituelle Tänze stehende Charakter des Geistertanzes. Erinnert sei nur an die ausdauernden Büffel-Tänze, in denen Männer und Heranwachsende tagelang unter Anleitung schamanischer Medizinmänner bis zur völligen Erschöpfung für das Kommen der zweimal im Jahr wandernden Büffelherden, die die vollständige Lebensgrundlage der Prärie-Indianer bildeten, tanzten.

Durch die Art der Durchführung - monotone rhythmische Trommelbegleitung, gleichförmige Bewegungen und die immer gleichen liedartigen Beschwörungen, verbunden mit der Erschöpfung der Tanzenden - wurde der tranceartige Zustand erreicht, in dem die Lebenden die Welt der Toten betreten konnten. Die damit verbundene Verschmelzung beider Welten würde letztlich dazu führen, dass die Toten zurückkehren konnten.

Inhalt und Versprechen des Geistertanzes fiel in der Zeit des Niedergangs auf fruchtbaren Boden. Die Idee verbreitete sich Ende der 1860er-Jahre sehr schnell und führte zu einer stark motivierten religiösen Bewegung. Sie erreichte von Nevada aus Kalifornien und Oregon. Jeder Stamm schuf seine eigenen Elemente und Interpretationen des Tanzes. Die ursprüngliche Prophezeiung wurde mit deren Verbreitung durch andere ergänzt. Beispielsweise prophezeiten einige Stämme nicht nur die Rückkehr der Toten, sondern auch die Rückkehr der von den Eroberern zerstörten natürlichen Lebensgrundlagen.

Manchmal vereinte ein Tanz 5.000 bis 6.000 Indianer unterschiedlicher Stämme. Trotzdem kann nicht von einem panindianischen Kult gesprochen werden, da sich nicht alle indianischen Ethnien dem Geistertanz verschrieben hatten. Die erste Welle des Geistertanzes endete ca. 1872, als der Initiator Wodzivob die Idee widerrief und die Tänze letztlich auch erfolglos blieben.

 


Zweiter Geistertanz 

 Wovoka

Wovoka


Um 1890 feierte der Geistertanz nach rund 20 Jahren eine starke Renaissance. Wieder lag der Ursprung bei den Paviotso. Diesmal war es ebenfalls ein schamanistisch ausgebildeter Mann aus dem Stamm der Paiute namens Wovoka, der die Idee wiederbelebte. Als Jack Wilson arbeitete er auf einer strenggläubigen Mormonen-Ranch. Derartig geprägt, übernahm er auch christliche Elemente, wie die Apostel-Idee, um den Glauben bei den Stämmen zu verbreiten.

Die Prophezeiung ähnelte derjenigen von 1870: Die Zeit würde kommen, wo sich die Indianer, Lebende und Tote, vereinigen würden, um zusammen glücklich zu leben, ohne Tod, Unglück und Elend. Die riesigen Büffel- und Pferdeherden, die über Jahrhunderte die natürliche Lebensgrundlage der Prärieindianer darstellten, würden zurückkommen.

Der 1890er-Geistertanz breitete sich ebenfalls rasch nach Kalifornien und Oregon aus, ging dann aber weiter nach Idaho, Montana, Utah, Wyoming, Colorado, Nord- und Süd-Dakota, bis hin nach Nebraska, Kansas, Oklahoma und Kanada. New Mexico und Arizona berührte er gerade noch. Im Vergleich zum ersten Geistertanz erfasste er diesmal also auch die Stämme der Plains und einige des Südwestens. Wieder entwickelten sich mit der Verbreitung weitere Tänze und Prophezeiungen. Der Geistertanz passte sich den entsprechenden Stammesmythologien an.

Die zweite Geistertanzbewegung dauerte einige Jahre länger als die erste, fand jedoch ebenfalls ein abruptes Ende. Die nach Niederlage und Unterwerfung unter die Gnade des weißen Mannes in den Reservationen von South Dakota lebenden Lakota hatten die Bewegung übernommen und um weitere christliche Elemente, wie den Erlösergedanken, erweitert. Die ihres Landes beraubten Prärie-Indianer, die durch die Vernichtung der gewaltigen Büffelherden ihre Lebensgrundlage verloren hatten, lebten in den Reservationen unter schlechten Bedingungen. Die Stammesgesellschaft, in der Gruppen und Familienverbände in Zeltdörfern auf Wanderschaft zusammenlebten, befand sich durch die erzwungene Ansiedlung in Einzelfamilien in Auflösung. Angesehene Häuptlinge wie Tashunka Witko (engl. Crazy Horse) wurden ermordet oder hatten sich den Siegern unterworfen. Die einstigen Jäger waren von Lebensmittel-Lieferungen durch die Reservationsbehörden abhängig, die oft ausblieben und von schlechter Qualität waren. Hunger, Krankheiten, ungewohnte Nahrung, erzwungene Sesshaftigkeit und Untätigkeit des einstmals aus Jägern und Sammlern bestehenden kriegerischen Volkes führte dazu, dass sich der Geistertanz nicht nur verbreitete, sondern auch um Gedanken des Widerstandes erweitert wurde. So trugen viele Tänzer stark bemalte Geistertanzhemden, die sie angeblich gegen die Kugeln aus Gewehren der Weißen schützen konnten. Die Vision, der Geistertanz würde die Weißen hinwegfegen, wurde offen ausgesprochen.

Nachdem der Geistertanz im Oktober 1890 in den Lakota-Reservationen begann und von den weiterhin angesehenen Anführern wie Sitting Bull, der sich nach jahrelangem Exil in Kanada, mit einigen Getreuen ergeben hatte und nach zweijähriger Gefangenschaft in der Reservation lebte, propagiert wurde, traten Spannungen auf. Die Reservationsbehörden sahen die Massen-Bewegung als politischen und religiösen Protest der 25.000 in Reservationen lebenden Sioux an und reagierten, wie üblich, mit Zwangsmaßnahmen, um einen möglicherweise drohenden Aufstand bereits im Vorfeld zu ersticken.


 Geistertanz bei den Oglala-Lakota in der Pine-Ridge-Reservation

Geistertanz bei den Oglala-Lakota in der Pine-Ridge-Reservation



Präsident Benjamin Harrison ordnete eine Untersuchung durch die Armee an und veranlasste die Einschränkung der Essensrationen für unkooperative Indianer, was die Spannungen weiter verschärfte. James McLaughlin, Verwalter der Standing Rock Reservation, in der Sitting Bull lebt, beäugte das Treiben der Geistertänzer schon länger mit Argwohn und befürchtete einen Aufstand. Sitting Bull, der sich mit kämpferischen Worten geweigert hatte, die Bewegung zu verbieten, und als einer ihrer Führer galt, soll durch die Stammespolizei in wohlüberlegter Provokation am 15. Dezember 1890 verhaftet werden. Als seine Getreuen gegen die grobe Behandlung des alten Mannes Widerstand leisten, wird Sitting Bull von dem Indianer-Sergeant Red Tomahawk durch einen Kopfschuss getötet. Außer ihm starben weitere 14 Menschen - 5 Stammes-Polizisten und 7 Anhänger des alten Häuptlings, darunter auch Sitting Bulls 14 jähriger Sohn. Beim Abtransport wird Sitting Bulls Leiche durch den Bruder eines getöteten Polizisten geschändet. Die Verweigerung der Beerdigung auf dem christlichen Friedhof sorgt für weiteren Unmut. Der tote Häuptling wird schließlich auf dem Friedhof von Ford Yates in einer einfachen Holzkiste hastig begraben.

Viele Lakota, darunter viele Geistertänzer flohen in die nahegelegenen Badlands. Unter den Flüchtenden befand sich auch Häuptling Big Foot mit Geistertanzanhängern aus der Cheyenne-River-Reservation. Die Armee verfolgte Big Foot und seine Leute und stellte sie. Der als friedlich geltende Big Foot ergab sich und die Gruppe sollte in die Pine-Ridge-Reservation überführt werden. Am 29. Dezember 1890 sollte Big Foots Gruppe in der Nähe des Wounded Knee Creek entwaffnet werden. Dabei fiel ein Schuss, wahrscheinlich versehentlich auf Seiten der Indianer. Die Soldaten der 7. Kavallerie schossen darauf wahllos auf die wehrlosen Indianer und verübten ein gnadenloses Massaker an Männern, Frauen und Kindern. Selbst nach Stunden wurden noch Verwundete getötet. Sogar die Pferde der toten Indianer wurden erschossen. Insgesamt starben an diesem Tag etwa 350 Indianer.

 

Das Massaker vom Wounded Knee leitete das Ende der spirituellen Geistertanz-Bewegung und der gelebten Traditionen der Stammesgesellschaft der Prärie-Indianer ein.

 
Kachina-Zeremonie oder der Bohnen- bzw. Maistanz der Hopi

Die Pueblo-Völker des Südwestens, welche Ackerbau betrieben, glaubten an sogenannte Kachina-Geister, die im Winter aus den Bergen herabsteigen und in ihren Dörfern sechs Monate lang verweilen. Um den Zyklus im Pflanzenwachstum entsprechend zu begehen, feierten die Hopi eine Mittwinter-Zeremonie, die auch als Powamuy oder Bohnentanz bekannt wurde. Mit dieser Zeremonie wird der Keimung und dem Wachstum der wichtigsten Nahrungspflanzen wie Mais und Bohnen gedacht. In diesem Zusammenhang wurden auch die zehn- bis zwölfjährigen Kinder in den Kachina-Kult aufgenommen. Das Fest beginnt mit der Aussaat der Samenkörner im feuchtwarmen Sand eines unterirdischen Kultraumes - dem sogenannten Kiva und endet nach 16 Tagen. Im Anschluß dieser Zeremonie beginnen die Tänze des Kachina-Bundes. Nach dem der Samen gekeimt ist, wird ein Spiel vorgetragen, bei dem Wasserschlangen darstellende Puppen vor einem mit Regen und Blitzen gemalten Hintergrund, die Sonne verjagen sollen, damit keine vorzeitige Dürreperiode eintritt. Andere Puppen mahlen Maismehl, welches auf die Köpfe der aufgenommenen Jugendlichen gestreut wird. Am 16. Tag werden die Bohnenkeimlinge geerntet und durchs Dorf getragen.

 
Kaninchentanz der Mohawk

Der Kaninchentanz war ein typischer Tanz der Mohawk. Unter dem Klang von Trommeln wurde er als Dank an die Tiere aufgeführt, von denen sie das Fleisch und die Felle für ihren Nutzen verwendeten.

 
Kriegstanz

Wenn in der Ratsversammlung der Kriegsrat tagte und durch Abstimmung einen Angriffs- bzw. Verteidigungskrieg beschloß, wurde ein Bote vom Häuptling mit der roten Pfeife durch den Stamm geschickt. Jeder Krieger der diese Pfeife rauchte, verpflichtete sich für sein Volk in den Kampf zu ziehen. Dieser Entschluß war freiwillig. Wer während des Krieges seinen Häuptling verließ, wurde vom Stamm bestraft, was eine große Schande für den Krieger war. Im Anschluß an das Herumreichen der Pfeife begann der Kriegstanz. Ein jeder Krieger, welcher sich für den Kampf entschlossen hatte, tanzte nun in voller Kriegsausrüstung um den rotbemalten Pfahl, berührte ihn und verpflichtete sich so vor allen Stammesangehörigen, seinem Kriegshäuptling mit allen Kräften zu unterstützen. Dieser legte seinen kostbarsten Schmuck an, damit er vom Feinde erkannt wurde. Die Krieger hingegen waren fast nackt, hatten jedoch außer der Kriegsfarbe sich Gesicht und Körper rot angemalt. Zuweilen wurde zur Bemalung auch Fett und Kohle verwendet.

 
Maistanz

Der Maistanz war von der Golf- bis zur Pazifikküste und westlich des Mississippi verbreitet und hatte wegen der unterschiedlichen Regionen mannigfaltige Formen aufzuweisen. Besonders hervorzuheben ist der beeindruckende Maskentanz der Hopi. Der Mais und speziell der grüne Mais galt bei den Indianer als Delikatesse. Sobald die Kolben und die Körner ausgewachsen waren, konnte man ihn essen. Für die Wiederkehr dieser Jahreszeit dankten alle Stammesangehörigen den Maisgottheiten, in dem getanzt, gesungen und geopfert wurde. Die Feierlichkeiten für den Mais dauerten 7 bis 10 Tage und wurden von vielen Stämmen in gleicher Weise und zur gleichen Zeit, wo er am wohlschmeckendsten war, veranstaltet. In dieser Zeit gab es weder Veranstaltungen, Jagdunternehmungen noch Kriegszüge. Täglich mußte von den Frauen, wenn die Festzeit nahte, ein Maiskolben dem Schamanen gebracht werden, damit der Tag für das Dankfest bestimmt werden konnte. Die Blätter an den Maiskolben durften nicht entfernt und die Körner nicht angesehen werden. Dies übernahm der Schamane im Ratszelt. Wurde der Mais für gut gehalten, schickte man Boten aus, die die von allen erwartete Nachricht bekannt gaben. Am nächsten Tag begann dann das Dankfest für den Grünen Mais zu Ehren der entsprechenden Gottheit. Man bereitete sich durch Fasten auf dieses Ereignis vor. Die Dorfbewohner fanden sich am Festtag auf dem Dorfplatz ein, wo in der Mitte über einem Feuer ein mit grünem Mais gefüllter Kessel hing, der für die Gottheit bestimmt war. Vier weißbemalte Schamanen in einer Hand eine Rassel und in der anderen ein Maiskolben haltend, umkreisten tanzend den Kessel, wobei sie das Dankeslied für die Gottheit sangen. In einem zweiten Kreis tanzten die Krieger. Die übrigen Dorfbewohner schauten den Festlichkeiten zu. Hölze Eßschalen mit je einem Löffel aus Büffel- oder Ziegenberghorn wurden bereitgestellt. Der Tanz dauerte solange bis die Schamanen feststellten, dass der Mais gar war. Daraufhin folgte der Tanz, in dem die Opferzeremonie stattfand. Auf einer hölzernen Plattform über dem Feuer wurden die Maiskolben gelegt, die vollständig verbrannten. Im Anschluß wurde das Feuer gelöscht und die Asche vergraben. Man entzündete ein neues Feuer, füllte den Kessel mit Mais und brachte ihn erneut zum Kochen. Im Anschluß wurde ein ausgelassenes Fest gefeiert, in dem es ein reichliches Mahl gab, gejubelt und getanzt wurde. Das Fest wurde von den Häuptlingen, Schamanen und Kriegern überwacht.

 
 
Peyotl-Zeremonie

 Der Peyotl-Kult ist bis heute der einflußreichste Kult unten den Indianervölkern. Einst kam diese Zeremonie aus Mexiko, wo sie bereits im 16. Jahrhundert vollzogen wurde.
Im Mittelpunkt der Peyotl-Zeremonie stand der Verzehr der bitter schmeckenden Peyotl-Knöpfe - eine stachellose Kakteenart, die im nördlichen Mexiko heimisch ist. Nach Einnahme des Peyotl bekam man akustische Halluzinationen, leuchtende Farbvisionen und ein tiefes Gefühl der Brüderlichkeit der Teilnehmer. Bei einem Peyotl-Treffen nahmen nur Männer teil. Er wurde nachts in einem Tipi abgehalten. Man setzte sich um einen kleinen Altar aus Tonerde, der die Bergkette symbolisieren sollte, wo das Peyotl laut Legende gefunden worden war. Nach dem die Knöpfe verteilt waren, sang man unter Begleitung einer Trommel und Rasseln heilige Lieder. Die Zeremonie endete beim Morgengrauen mit dem Frühstück. Jeder Teilnehmer hatte in der Nacht zwischen 4 bis 30 Peyotl-Knöpfe gegessen. Der Verzerr der Peyotl macht gegenüber anderen Rauschgiften aber nicht süchtig.

 
 
Potlatch - eine sozialzeremonielle Sitte

Potlatch heißt »weggeben«. Diese Sitte des Austausches von Geschenken war bei den Indianerstämmen der Nordwestküste verbreitet. Man machte wertvolle Geschenke, um so seine Freundschaft und Verehrung zu zeigen, aber auch um sein Ansehen zu erhöhen, weil die Weggabe als Zeichen dafür galt, was man entbehren konnte, ohne sich zu ruinieren. Ein weiterer Aspekt war sich selbst Vorteile zu verschaffen, wie Vertrauen, gesellschaftliches Ansehen, Erfolg bei der Brautwerbung wie auch Vergebung. Wenn man es mit Potlatch übertrieb, konnte man sich wirtschaftlich überausgaben, was Frauen wie Männern passieren konnte. Aber auch Größenwahn und Rache konnte ein Motiv sein. Zwei verfeindete Krieger überboten sich, um den anderen bloßzustellen oder zu ruinieren. Ihre Familien hielten sie nicht davon ab, sondern unterstützten den Wahn. Auf diese Weise konnte sich eine ganze Sippe hoch verschulden.

 
Reifentanz

Weshalb der Reifentanz aufgeführt wurde, ist nicht bekannt. Er könnte aber den symbolischen Ausstieg der Menschen aus der Unterwelt zeigen. Auch heute wird dieses Ritual noch von den Pueblos getanzt. Die Kostüme ähneln denen der Großen Ebenen.

 
Schlangentanz der Hopis

Alle zwei Jahre hielten die Hopis verschiedener Pueblos im August den Schlangentanz ab, der 9 Tage dauerte. Dieser Zeremonien-Tanz war verbunden mit der Bitte um Regen. Die Schlangen (Klapperschlangen) wurden von den umstehenden Frauen mit Mehl bestreut und von den Tänzern im Munde gehalten und nach speziellen Riten, der Medizinmann berührte sie mit einer Feder, in die Freiheit entlassen.

 
Schwitzzeremonie

Die Schwitzbad-Zeremonie war bei vielen Völkern Nordamerikas verbreitet. Die Schwitzhütte hatte je nach Landschaft eine unterschiedliche Form und war auch aus verschiedenen Materialien hergestellt. Sie bestand in der Regel aus einem Holzgerüst, welches mit Grassoden, Decken oder Häuten bedeckt war. Sie war so hoch, dass gerade ein Mann darin sitzen konnte. Ein Schwitzbad diente der Reinigung nach einer Krankheit, wurde bei fiebrigen Erkrankungen oder vor wichtigen Feiern angewandt. Gleichzeitig bescherte ein Schwitzbad die körperliche Abhärtung und erhöhte die physische Widerstandskraft. Der Dampf wurde durch Übergießen im Feuer erhitzter Steine erzeugt. Während des Schwitzbades wurden bestimmte Riten durchgeführt. Im Anschluß an das Schwitzbad kühlte man sich im Fluß oder im Schnee ab. Die nordamerikanischen Indianer hatten durch das Schwitzbad eine höhere Lebenserwartung als die weißen Siedler jener Zeit.

 
Skalptanz

 

Bei vielen Stämmen wurde der Skalptanz nur von den Frauen getanzt. Er sollte beschwörend vor einen Kriegszug wirken oder wurde nach einem erfolgreichen Überfall getanzt. Die Frauen trugen während der Zeremonie die Siegestrophäen ihrer Männer an langen Stangen. Es war auch bei einigen Stämmen üblich, dass die Frauen die Kleidung ihrer Männer trugen.

 
Sonnentanz

 Der Sonnentanz war für die Prärie-Stämme ein typischer Zeremonien-Tanz, der im Sommer abgehalten wurde und 8 Tage dauerte. Die ersten vier Tage blieb geheimen Zeremonien vorbehalten, wie Fasten, Schwitzen, Riten in einem abgeschlossenen Raum etc. Jede Handlung hatte ihren vorgeschriebenen Zyklus, der von Stamm zu Stamm verschieden war. Man legte sich Buße, Entbehrungen und Selbstfolter auf. Sie dienten einer Art geistiger und körperlicher Selbstreinigung, was Hauptziel des Sonnentanzes war. Manche Stämme folgten den Ritus, daß die Tänzer sich Schlaufen in die Brustmuskeln schnitten, durch die an Pflöcken lange Schnüre befestigt wurden, deren Enden mit der Spitze eines hohen Pfahls verbunden waren. Der Tänzer tanzte nun schwingend und hängend um diesen Pfahl. Im allgemeinen wurde häufig auf der Stelle getanzt, bis man in Trance verfiel und eine Vision hatte.
Während der ganzen Prozedur wurde gefastet. Die Sioux praktizierten diese Selbstfolter soweit, dass bei diesem Tanz die Muskelstreifen rissen. Andere Stämme, wie die Kiowa, lehnten dies ab.

 
Squaw-Tanz

Der Squaw-Tanz ist eine Zeremonie der Navaho, die in den Sommermonaten abgehalten wird und drei Tage dauert. Er wird auch Entah oder Feindweg bezeichnet. Es ist ein Kriegstanz, der außerdem für Krieger, die sich durch Kontakt zu einem toten Feind verunreinigt haben, aufgeführt. Das Ritual beginnt am Hogan des Kriegers und endet an den folgenden Tagen an einem Ort zu dem er umzieht. Die Zeit zwischen dieser Zeremonie wird durch Wettrennen, Spielen oder Erzählungen überbrückt. Am letzten Tag wird vom Clown - werden auch als Schwarze Männer bezeichnet - der sogenannte Schmutztanz getanzt. Die Tänzer verlassen den Hogan durch den Rauchabzug und werfen den Krieger in die Luft bevor sie sein Gesicht in Schlamm drücken und über ihn hinweglaufen, um die bösen Geister aus dem Körper zu vertreiben. Die Zuschauer werden im Anschluß an das Ritual gejagt. Wer gefangen wird, landet ebenfalls im Schlamm. Junge Mädchen erhalten in der dritten Nacht die Möglichkeit einen Freier zu suchen, indem sie von ihren Müttern geleitet werden einen Mann einzuladen, der den Rundtanz mit ihnen tanzt. Der Mann leistet für diese Gunst eine symbolische Zahlung.

 
Totenfest der Huronen

Alle 12 Jahre begingen die Huronen das Fest der Toten. Man bestattete die Toten, die seit dem letzten Fest verstorben waren, indem man die Toten von den Bestattungsstätten nahm, die Gebeine in Säcke lud und zu einer bestimmten Bestattungsgrube, oft weit von Dörfern entfernt, trug. Bei Feuerlicht wurden über die Gebeine Maiskörner und Geschenke gestreut und Pelzhäute ausgebreitet.

 
Totenkult der Prärie-Indianer

 Im Totenkult der Prärie-Indianer gab es ebenfalls beträchtliche Unterschiede. Am häufigsten bestattete man den Toten in einem Erdgrab, aber auch die Plattform- und Baumbestattung war üblich. Vor der Bestattung wurden dem Toten seine besten Kleidungsstücke angezogen und sein Gesicht bemalt.
Die Totenbeigaben bestanden aus einer gefüllten Tabakpfeife und einem Gefäß mit Bisonfett. Zuweilen wurden noch andere Gegenstände aus dem persönlichen Besitz des Toten hinzugefügt.
Oft trug ein berühmter Krieger die Leiche zum Bestattungsort. Die Verwandten schlossen sich unter lautem Wehklagen an und brachten sich Schnitte an Unterarmen und Beinen als Ausdruck ihrer Trauer an. Eine Haarlocke des Verstorbenen wurde abgeschnitten und einem heiligen Bündel hinzugefügt. Am vierten Tag nach dem Tod versammelten sich die Angehörigen des Toten, um in einer Zeremonie die Pfeife zu rauchen und Speiseopfer darzubringen. Der Besitz des Toten wurde aufgeteilt. Die Pferde gingen in den Besitz der Söhne und Töchter über.
Auch die Frau hatte Anspruch auf ein Pferd. Das Tipi wurde verlassen oder gegen ein anderes ausgetauscht.

 
Yeibichai-Tanz

Yeibichai ist ein Wort aus der Navaho-Sprache was so viel wie Nachtgesang oder -weg bedeutet. Yeibichai ist die wichtigste Zeremonie der Navaho im Winter. Sie durfte erst veranstaltet werden, wenn es keine Gefahr durch Blitze mehr gab und auch keine Schlange mehr biß. Dieser Tanz wurde angewandt, um nervöse Leiden oder Wahnvorstellungen zu heilen. Fehler bei der Ausführung des Rituals konnten zu Gesichtslähmungen, Verlust des Augenlichtes oder des Gehörs führen. Das Wort Yeibichai entstand aus Yei - den Tänzern des heiligen Wesens, die dieses Ritual in den letzten zwei Tagen der Zeremonie darstellen. Für die Mädchen und Jungen wurde in der achten Nacht eine Einweihungszeremonie vorgenommen. Zuerst wurde ihnen die Haare gewaschen, dann ihr Körper mit weißem Lehm eingerieben. Mit heiligem Mehl bestreute man die Jungen, die dann anschließend von den Tänzern mit Yucca-Stengeln symbolisch geschlagen wurden. Mit Maismehl berührte man die Hände, Füße und Schultern der Mädchen. Danach setzten die Tänzer - Yei - ihre Masken ab und jedes Kind konnte die Menschen, die das heilige Wesen darstellen, sehen. Der entsprechende Gott des Ostens - Hasteseyalty - setzte jedem Jungen die Maske auf, was die weibliche Yei - Hasttse-baad - bei den Mädchen ebenfalls tat. Ein jedes Kind sollte aus den Augen der Yei die Welt erblicken. An dieser Zeremonie sollte ein Navaho mindestens viermal in seinem Leben durch seine Teilnahme beiwohnen.

 
Zauberpfeil-Zeremonie

Die Zauberpfeil-Zeremonie war ein Fest der Cheyenne, welches im Sommer abgehalten wurde und vier Tage dauerte. Es wurde veranstaltet, um die Gewalt der Waffen wiederherzustellen, z. B. nach einer Hungersnot oder nach einer verlorenen Schlacht. Vier Pfeile spielten bei dieser Zeremonie eine wichtige Rolle. Sie sollen übernatürliche Kräfte besitzen: Zwei für Menschen und zwei für Bisons. Diese Pfeile hatten die Cheyenne von dem Stammeshelden Sweet Medicine erhalten. Bei diesem Ritual mußte immer eine festgelegte Reihenfolge eingehalten werden, weshalb im Lager eine ernste Stimmung herrschte. Nur Gesänge, Gebete und Trommelklang war aus dem heiligen Tipi zu hören. Die Frauen wie die Kinder blieben in den Zelten, die Männer reduzierten ihre Tätigkeiten und eine Kriegergesellschaft war im Zeltdorf unterwegs, um für die nötige Würde und Ordnung zu sorgen. Wenn ein Hund einen Laut von sich gab, tötete man ihn. Das Hauptereignis fand am zweiten Tag der Zeremonie statt. Dies war das Öffnen des Bisonlederbündels, wo die Pfeile aufbewahrt wurden. Ein angesehener Mann brachte, wenn es nötig war, die Pfeilbefiederung in Ordnung. Der Leiter der Zeremonie bereitete am dritten Tag Zählstäbe aus Weidenholz zu, von denen jeder eine lebende Cheyenne-Familie symbolisierte. Keine Zählstäbe wurden für Familien bereitgelegt, wo ein Angehöriger einen anderen Cheyenne ermordet hatte. Die Zählstäbe wurden einzeln durch den Rauch von Weihrauchfeuern bewegt. Zweck dieser Handlung war es eine jede Familie zu segnen. Die heiligen Pfeile wurden am vierten Tag ins Freie gebracht und den männlichen Stammesangehörigen - vom gerade Geborenen bis zum ältesten Großvater - gezeigt.

 
Sonstige Rituale, Tänze und Zeremonien waren:

Grastanz, Medicine-Lodge-Tanz, Mide-Zeremonie, Pferdetanz, Pubertätszeremonie, Krähentanz, Lachstanz, Schutzgeisttanz, Springtanz und Tänze der Männer- und Frauenbünde.

Die Friedenspfeifen 

Ich glaube, dass bekannteste Ritual der Indianer ist das Rauchen der Friedenspfeife, so zumindestens haben wir es immer wieder im Fernsehen in Indianerfilmen oder Western gesehen.

Auf jeden Fall ist es eines der häufigsten Rituale der Indianer. Sobald in der Pfeife die Kinnikinnick genannte Mischung aus Tabak und aromatischen Kräutern entzündet wurde, verband der Raucher oftmals tiefere Absichten. Gebetsrauch wurde der Rauch genannt, den der Indianer ausatmete. Die Pfeife galt als Verständigungsmittel zur Geisterwelt. Wichtige Gespräche zwischen Männern bekamen mit der Pfeife einen heiligen Charakter. Oft diente das Pfeiferauchen auch als Einleitungsmittel vor wichtigen Angelegenheiten.

Sogenannte Zeremonialpfeifen waren Eigentum eines Häuptlings, Schamanen oder Kriegers. Ein festgelegtes Ritual mußte beim Rauchen genau eingehalten werden, um einen Eid zu leisten oder einen Vertrag abzuschließen. Aus dieser Zeremonie leiteten die Weißen den Begriff «Friedenspfeife» ab.

Eine weitere Verwendung der Pfeife war sie als Reisepaß zu benutzen oder sie bei privaten Auseinandersetzungen als Beschwichtigungsmittel einzusetzen. Wenn ein Krieger mit der Frau eines anderen durchbrannte, so schickte er dem Betrogenen einen alten Mann mit einer Pfeife. Dies verlangte die Etikette. Wenn der Mann die Pfeife rauchte, so verzichtete der Ehemann auf Rache.

Jedoch hatte die Pfeife nicht immer einen religiösen Grund oder diente als Mittel der Beschwichtigung, sondern viele Männer verwendeten sie als Alltagspfeife, da bei den Indianern das Rauchen eine Angewohnheit war.

Viel Sorgfalt und Geduld war notwendig, um eine solche Zeremonialpfeife herzustellen. Sie konnte in ihrem Wert den eines Pferdes erreichen. Der Pfeifenkopf wurde aus weichem Material gefertigt. Besonders bekannt ist dabei ein rotes Mineral geworden, welches den Namen des Malers Georg Catlin - Catlinit - erhielt. Zu finden war dieses Gestein in einem heiligen Steinbruch in Minnesota. Spezialisten bearbeiteten diesen Stein und schnitzten die feinsten Details in den Pfeifenkopf. Aus Esche, Weide oder Pappel war der Pfeifenstiel gefertigt, dessen Mark nach der Querteilung herausgekratzt oder gebrannt wurde.

Poliert wurde die Pfeife zum Abschluß und verziert. Dazu benutzte man Pferdehaarbüschel, Adlerfedern oder es wurden Heldentaten in den Pfeifenkopf geschnitzt.

Der Tabak wuchs wild, trotz alledem bauten einige Stämme ihn an, um einen bestimmten Vorrat zu haben oder tauschten ihn gegen andere Gebrauchsgegenstände. Die sogenannte Tabaksgesellschaft der Blackfoot baute Tabak für ihre Zeremonien an. Bei der Ernte wurden bestimmte rituelle Gebete und Tänze aufgeführt.

 

Das Skalpieren

Wie oft hat sich dieser grausige Brauch in Nordamerika abgespielt? Das Skalpieren war einst nicht über ganz Nordamerika verbreitet. Nicht nur die Indianer praktizierten das Abtrennen der Kopfhaut, sondern schon der griechische Geschichtsschreiber Herodot - um 485 - 425 v. Chr. - beschrieb diesen Brauch von den Skythen, die im Schwarzmeergebiet siedelten, in jeder einzelnen Phase.

Es war zum Beispiel bei den Muskogee sprechenden Stämmen des Südosten Sitte, die eigentlich Maisbauern waren wie die Muskogee, Natchez, Timukua, Cherokee und Caddo. Dieser barbarische Brauch ist wahrscheinlich aus einer religiösen Zeremonie heraus entstanden. Bei den Azteken in Mexiko gab es das sogenannte Xipe-Ritual, bei dem Menschen für Xipe Totec - dem Frühlingsgott und Schutzherr der Juweliere und Goldschmiede - geopfert wurden. Das Fest fand im Frühling statt und der Höhepunkt war das Tötungsritual. Dem Geopferten wurde die Haut abgezogen, die dann der Priester 20 Tage lang überzog als Symbol der Lebensverjüngung.

Die Stämme des Südosten hatten allerdings das Häutungsritual in eine andere Form abgewandelt und nahmen statt die Haut nur das Kopfhaar - den Skalp. Die Hauttrophäe war von Mexiko bis Peru verbreitet.

Beim Skalpieren wurde rings um den Kopf über den Ohren mit dem sogenannten Skalpmesser ein kreisförmiger Schnitt durchgeführt, der Rand der Kopfhaut freigelegt und das Haarbüschel mit den Zähnen losgerissen. Bei einem getöteten Opfer wurde mit der linken Hand der Kopfscheitel fest zusammengefaßt und mit dem Messer ein handtellgroßes Stück Kopfhaut herausgeschnitten.

1535 wurde erstmals von Huronen das Skalpieren vorgenommen und dann griffen diesen Brauch die Irokesen auf. Sie waren es, die das Skalpnehmen zu den Sioux-Stämmen brachten. Dann breitete sich diese Sitte nach und nach über den ganzen nordamerikanischen Kontinent aus, allerdings verlor sich der religiöse Ursprung dieser Zeremonie.

Hätten die europäischen Mächte - England und Frankreich - nicht noch Prämien ausgesetzt, so hätte wahrscheinlich der Brauch sich nicht so durchsetzt wie es passierte. Eine Erleichterung des Skalpierens brachten auch die eisernen Messer der weißen Eindringlinge gegenüber den Muschel- und Steinmessern.

Auch Weiße verdienten an dieser barbarischen Sitte ihre Kopfprämie. Nicht nur mit Indianerskalpen war geldzuverdienen, sondern manche Kopfgeldjäger nahmen die Trophäe von Menschen, die ihnen unter die Finger kamen. Der Skalp mußte jedoch den Kopfscheitel enthalten, sonst wurde die Prärie nicht ausgezahlt.

Der Skalpierte überlebte nur selten den Verlust der Schädeldecke wegen des hohen Blutverlustes. Der Skalp wurde auch von getöteten Feinden abgezogen.

Die Indianer maßen diesem Scheitelhaar große Bedeutung zu, da nach ihrer Vorstellung hier der Sitz der Lebenskraft lag. Wenn der Feind skalpiert war, hatte er seine übernatürlichen Kräfte verloren und konnte nicht in die Ewigen Jagdgründe eingehen.

Der Skalp wurde vom Fleisch befreit, getrocknet und dann sorgfältig präpariert. Im Anschluß wurde die Kopfhaut als Verzierung an Waffen, Hemden oder Zelten angebracht. Oder der Skalp wurde in einem Reifen gespannt, dann an einem meterlangen Stab befestigt und feierlich umtanzt. Es war aber nicht die Sitte der Männer den Skalp zu umtanzen, diesen Brauch vollführten die Frauen im sogenannten Skalptanz. Niemals jedoch wurde der Skalp respektlos behandelt, dies hätte die Rache der Totengeister herausgefordert.

Seine religiöse Rolle hatte der Skalp verloren und galt auch nicht mehr als Symbol einer Opferzeremonie, sondern eher als Zeichen des Sieges.

 

Priester und Schamanen

Bei den Indianern Nordamerikas gab es Priester wie auch Schamanen. Der Unterschied bestand darin, dass der Priester eine Ausbildung absolvieren mußte, hingegen der Schamane sein Wissen und seine Berufung von überirdischen Wesen ableitete. Bei den Prärie-Stämmen kamen Priester wie Schamanen vor.


Priester

Der Priester führte rein religiöse Kulthandlungen durch, im Gegensatz der Schamane magisch-medizinische Praktiken anwandte. Bei den Pawnee hatte sich ein entwickeltes Priestertum mit einem ausgeprägten Tempelkult herausgebildet. Bevor ein Priester bei den Pawnee sein Amt ausführen durfte, mußte er vor einem Gremium eine harte Prüfung ablegen. Von den Pawnee-Priestern wurde der Kult des heiligen Bündels geflegt. Auf ihm baute die politische Stammesstruktur auf. Zu festgesetzter Zeit wurde bei den Pawnee bis hinein in die Mitte des 19. Jahrhunderts eine geraubte Jungfrau eines feindlichen Stammes zu Ehren des Morgenstern geopfert. Diese grausame Zeremonie schaffte Petalasharo im Einvernehmen mit dem Stammesrat ab. Trotzdem wurde der Kult von Priestern immer noch heimlich durchgeführt. Erst Petalasharo II. schaffte diese Kulthandlung endgültig ab. Das Priesteramt wurde von der Mutter vererbt, was dazu führte, dass der Sohn von seinem Vater das Amt nicht erben konnte.

Auch bei den Stämmen des Südwestens gab es ein Priestertum. Aber es unterschied sich von den des Südostens in der Hinsicht, dass man Menschenopfer oder Folterung nicht kannte. Das lag daran, dass man Gewalt und Krieg ablehnte. Ein Mann wurde nicht angesehener, wenn er tapfer war. Ausnahmen machten nur einige Stämme am Colorado River und einige Stämme der athapaskischen Sprachfamilie, die aus dem Norden in das Gebiet eingedrungen waren. Im Südwesten wurde die Religion zu festgelegten Jahreszeiten abgehalten. Die Mythen, Tänze, Gesänge und Gebete mußten erlernt und genau eingehalten werden. Die Kulthandlungen wurden meist von den Männern abgehalten. Zur Ausführung der Rituale waren Priester erforderlich. Bei kriegerischen Auseinandersetzungen mit anderen Stämmen gab es eine Organisation und entsprechende Rituale. Bei einigen Stämmen waren Kriegergemeinschaften und Kriegerpriester vorhanden. Die Kämpfe wurden von langen Zeremonien begleitet.

Die Stämme des Südwestens waren friedfertig. Trotzdem erbeuteten sie gelegentlich auch Skalpe. Oft wurde diese Kulthandlung von den Kriegspriestern vorgenommen. Im Anschluß mußte sich der Kriegspriester wie auch die Krieger, die Feinde getötet hatten, einer gründliche Reinigung unterziehen. Eine solche Reinigungszeremonie dauerte bei den Pima wie auch bei den Papago 16 Tage. Priester überwachten diese Prozedur.

 
Schamanen

 

Das Wort »Schamanen« stammt vom mandschurischen Saman (gesprochen: Schamanen) ab und wird für Menschen mit starken geistigen Willen und emotionaler Kraft verwendet. Schamanismus ist eine Religionsform, bei der Schamanen durch ekstatische Techniken Kontakt zu Gottheiten und Dämonen aufnehmen, um diese zu besänftigen und zu bezwingen, um damit Krankheit und Gefahr abzuwenden oder das Feinde Schaden nehmen.

Der Schamane war also der Mittler im indianischen Leben zwischen dem Unsichtbaren, Geistern, Zauberkräften uvm. und den damit verbundenen kultischen Handlungen, die exakt eingehalten werden mußten. Im indianischen Glauben standen alle Lebensformen mit Zauberkräften in Verbindung, die von höheren Kräften reguliert wurden. Somit war der Schamane Zauberpriester, Arzt, Prophet, Wettermacher, Rechtsanwalt und Namensgeber zugleich in einer Person. Er kannte zahllose Geheimnisse, besaß Kenntnisse von übernatürlichen Kräften und war damit in der Lage diese für seinen Nutzen einzusetzen. Noch einfacher ausgedrückt war der Schamane die Kontaktperson zwischen Menschen und Geistern.

Ein Schamane, der erfolgreich war, hatte mehr Macht und Einfluß als ein großer Oberhäuptling. Er gebot über Natur- und Geisterkräfte mit denen er in Verbindung treten konnte, die ihm dienten und somit dem Stamm Schutz brachten. Nur dem Schamanen gelang es, Wild anzulocken, Kranke zu heilen, böse Zauberer zu vernichten, den Ausgang eines Kriegszuges genau vorherzusagen, die Mächte der Gewitter, der Mondfinsternis und der Erdbeben zu versöhnen, den Tag der Aussaat und der Ernte exakt festzulegen und viele andere Dinge im indianischen Leben richtig einzuschätzen. Um seine Macht demonstrieren zu können, veranstaltete er öffentliche Vorführungen, wo er seine Zauberkunststücke zeigte. Von den Indianern wurden die übernatürlichen Fähigkeiten des Schamanen nicht als persönlichen Verdienst angerechnet, sondern als Beweis das er überirdische Hilfe bei seinen Vorstellungen hatte.

Vielweiberei gab es bei vielen Stämmen, manchmal genoß aber auch nur der Schamane diesen Brauch. Ihm waren auch besondere Speisen vorbehalten und wenn ein Indianer ihn und seine Zauberkräfte für eine bestimmte Tätigkeit brauchte, bezahlte man mit Fellen, Nahrungsmitteln, Werkzeugen sowie auch mit Pferden und anderen wertvollen Dingen. Diese Bezahlung hatte aber auch einen weiteren Nutzen, man stieg in einen höheren Rang der Medizingesellschaft, die der Schamane leitete, oder angesehene Familien erhielten vom Geheimnismann - wie der Schamane auch genannt wurde - nach entsprechender Bezahlung (Pferde und andere Kostbarkeiten) einen Mythos, der diesen Familien Glück und Segen bringen sollte. Wenn der Schamane als Medizinmann in Erscheinung trat, zahlte man ihm nur etwas wenn die Behandlung erfolgreich war. Bei Epidemien erhielt der Schamane keine Bezahlung. War die ärztliche Bemühung des Schamanen von keinem Erfolg gekrönt, konnte er bei einigen Stämmen auch bestraft werden. Wurde das Wissen des Schamanen bei Geisterbeschwörungen, als Herausfinder von Schuldigen oder was den Mythos anging zu Hilfe geholt, waren seine Dienste besonders teuer. Oft war der Schamane Spezialist für eine bestimmte Krankheit, aber er konnte auch bei Knochenbrüchen, Massagen, Auflegen von Kräutern und Einreiben von Salben und bei Brech- und Abführmitteln helfen. Neben diesen Tätigkeiten bediente er auch die Trommel, deren monotoner Klang er verwendete zur Meditation und um Trance herbeizuführen. Aber statt der Trommel benutzte er für bestimmte Zeremonien eine mit Samenkörnern oder mit Steinen gefüllte Rassel.

Eine besondere Zeremonie veranstaltete der Schamane, wenn er nach langer Zeit ein treu dienendes Pferd seine Freiheit wieder gab. Dazu wurden alle Priester und Schamanen der Umgebung eingeladen. Das mit einem Brandzeichen versehene Pferd wurde an der Spitze eines Zuges von Schamanen, die prachtvoll gekleidet und bemalt waren, vom Eigentümer geführt und an der vorgesehenen Stelle freigelassen. Das Tier fand dann wieder Anschluss zu einer Wildherde. Wurde das Tier beim Einfangen einer Wildherde ebenfalls erbeutet, so wurde es gleich wieder in die Freiheit entlassen, um nicht den Großen Geist zu erzürnen oder bestraft zu werden. Für den Großen Geist oder für den Bösen Geist opferte der Schamane manchmal sein bestes Pferd. Für diese Zeremonie wurde es getötet. Die Opferung wurde der Familienmedizin dargebracht, die jeder Haushalt besaß.

Schamanen waren hochsensible und seherisch begabte Menschen, aber auch Menschen mit körperlichen Gebrechen wurden als Schamanen vom Stamme geachtet, da sie doch zu guten und bösen Geistern und Kräften Kontakt herstellen konnten. Meistens wurde das Amt des Schamanen weiter vererbt, es kam jedoch vor, dass der Schamane als seinen Nachfolger ein Verkrüppelten aussuchte. Dieser wurde dann in einer langen sogenannten Lehrzeit ausgebildet. Der Auserkorene konnte bei einigen Stämmen das Amt verweigern, andere erlaubten dies nicht. Der Schamane wurde in seinem Stamm entweder als überlegene Person angesehen oder man brachte ihm Angst und Mißachtung entgegen. Wenn der Auserlesene dieses Amt nicht haben wollte, so konnte es ihm auferzwungen werden. Im Stamm waren die Handlungen und Fähigkeiten des Geheimnismannes oft unverständlich, erzeugten Angst und aus einem guten konnte ein tückischen Schamane werden. Die wichtigste Aufgabe eines Priesters war es, einen bösen Schamanen zu entlarven und Unheil, Tod und Verderben von der Gemeinschaft abzuwenden. Diese bösen Zauberer waren in den Augen der Indianer die gemeinsten Scheusale des Stammes und wurden deshalb hingerichtet, manchmal auch die gesamte Sippe des Schamanen. Auch ganze Siedlungen wurden des Bösen manchmal bezichtigt und dann vollkommen zerstört. Wenn ein böser Geheimnismann seine Untaten eingestand, wurde ihm seine besonderen Fähigkeiten wegen dies als Tapferkeit gewertet, hatte aber zur Folge, dass er trotzdem getötet wurde.

Der Marterpfahl

Der Marterpfahl war ein bei einigen Indianerstämmen verwendeter Pfahl, an den gefangene Feinde des Stammes festgebunden wurden, die dann zum Teil einer erniedrigenden Tortur ausgesetzt wurden. Tatsächlich belegt ist die Verwendung nur bei wenigen Stämmen, darunter den Irokesen, Kiowa, Lenni Lenape und Comanchen. Die Prozedur verlief auch nicht notwendig tödlich; es sind Berichte überliefert, wonach Personen, die diese Folter überstanden haben, freigelassen wurden. Sie wurde auch nicht angewandt, wenn der Betroffene vorher eine Art Spießrutenlaufen unbeschadet überstanden hatte, bei dem er eine Gasse aus zwei Reihen von Indianern zu passieren hatte, die auf ihn einschlugen. Ziel war es, den Willen des Gefangenen zu brechen. Der dafür verwendete Pfahl hatte eine gewisse Ähnlichkeit mit den anderen Zwecken dienenden Wappenpfählen.

Die öffentliche Folter von gefangenen Feinden am Marterpfahl war ein traditionelles Ritual der Indianerstämme im amerikanischen Nordosten und gefangene Feinde wurden für Stunden, manchmal sogar für Tage, unerträglichen Schmerzen ausgesetzt. Je größer der Respekt war, den die Indianer ihrem Feind entgegenbrachten, desto unbarmherziger war die Tortur. Das Opfer hingegen verhöhnte seine Peiniger und zeigte sich möglichst unbeeindruckt von den Qualen. Das britische Indianerministerium in Detroit nutzte seinen Einfluss während des Amerikanischen Unabhängigkeitskriegs auf die Indianer, um das Töten und Quälen von gefangenen Gegnern zunächst erfolgreich zu unterbinden, doch nach dem Gnadenhütten-Massaker wurde die traditionelle Praxis als Vergeltungsmaßnahme wieder eingeführt.